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The Will to Power
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Herbst 1883 16 [1-90]

16 [1]

Die Natur muß nach Analogie des Menschen vorgestellt werden, als irrend, versuchend, gut und böse—als kämpfend und sich überwindend.

16 [2]

Drei Einsamkeiten giebt es, die des Schaffenden, die des Wartenden, die der Scham.— Ich weiß das Wort und Zeichen des Übermenschen; aber ich sage es nicht, ich verhehle es vor mir selber.— In Scham vor einer großen Wahrheit leben.

16 [3]

In Act II kommen die verschiedenen Gruppen und bringen ihr Geschenk. “Was thatet ihr?”— Sie sagen es.— “So ist es aus dem Geiste Zarathustras gethan.”

Die Lehre der Wiederkunft wird zuerst das Gesindel anlächeln, das kalt und ohne viel innere Noth ist. Der gemeinste Lebenstrieb giebt zuerst seine Zustimmung. Eine große Wahrheit gewinnt sich zuallerletzt die höchsten Menschen: dies ist das Leiden der Wahrhaftigen.

Act I. Einsamkeit aus Scham vor sich: Ein unausgesprochener Gedanke, dem er sich zu schwach fühlt (zu wenig hart) Die Versuchungen, ihn darüber zu täuschen. Die Boten des ausgewählten Volks laden ihn zum Feste des Lebens.

Act II. Er wohnt incognito dem Feste bei. Er verräth sich, als er sich zu geehrt findet.

Act III. Im Glück verkündet er den Übermenschen und dessen Lehre. Alle fallen ab. Er stirbt, als die Vision ihn verläßt, vor Schmerz darüber, welches Leid er geschaffen.

Todtenfeier. “Wir tödteten ihn”— Mittag und Ewigkeit.

16 [4]

Der Mildeste muß der Härteste werden: und daran zu Grunde gehn. Dies das psychologische Problem.



Herrisch kam das Erlebniß: aber mein Wille sprach zu ihm—da lag es schon bittend auf den Knien.



Trägt nicht der Tänzer sein Ohr in den Zehen?



Noch lebt uns Zarathustra’s Tugend! Ein Stern gieng unter im oeden Raume: aber sein Licht ist noch unterwegs und wandelt—und wann wird es nicht mehr unterwegs sein?



Willst du den Schreitenden zum Anstoß werden? So humple vor dem her, der Eile hat.



Auch was wir unterließen, webt am Gewebe aller Zukunft: auch das Nichts selber ist Weber und Webemeister.



Mancher wird seiner selber müde: und nun erst beginnt sein Glück, das ihm aufgespart war.



Niesen sollt ihr mir noch ob meines Getränkes, und meine schäumenden Weine sollen eure Nase kitzeln und wollüstig machen.



“Es giebt sich”: sagt eure Bequemlichkeit? Nein, es nimmt sich und wird immer mehr sich nehmen.

16 [5]*

Die tiefe Unfruchtbarkeit des 19. Jahrhunderts. Ich bin keinem Menschen begegnet, der wirklich ein neues Ideal gebracht hätte. Am längsten hat mich der Charakter der deutschen Musik zu hoffen verleitet. Ein stärkerer Typus, in dem unsere Kräfte synthetisch gebunden sind—mein Glaube. Anscheinend ist Alles décadence. Man muß dies Zu-Grunde-gehen so leiten, daß es den Stärksten eine neue Existenzform ermöglicht.

[*1888 entstanden]

16 [6]

Keine Ungeduld! Der Übermensch ist unsre nächste Stufe! Dazu, zu dieser Beschränkung, gehört Mäßigkeit und Männlichkeit.

16 [7]

Thut gleich mir: nur der Thäter lernt—nur als Thäter werde ich auch euer Lehrer sein.



Daß ein Blitz in eure Speisen schlüge und eure Mäuler Feuer fressen lernten!



Mit seinen Flügeln peitscht der Stolz meines Adlers meinen Willen: aber an diesem Felsen bricht sich auch des Stolzes Brandung.



Bin ich nicht die Wetterscheide? Kommen alle Winde nicht zu mir und künden mir ihren Willen?



Im dunklen Gewitter will ich verschwinden: und für meinen letzten Augenblick will ich Mensch zugleich und Blitz sein.



Ihr rauscht gegen mich auf—aber was thut es! Ich schlage euch mit meinem Ruder: ihr müßt mir doch den Nachen zur Unsterblichkeit tragen!

Schlief ich je auf meinem Ruhm ein? Wie ein Bett von Stacheln war mir jeder Ruhm.



Vielleicht als Zarathustra III: Dies ist das Buch der sieben Einsamkeiten.



Und nun glüht auch noch das Eis und die Unschuld meiner Gipfel.”



Dürres Gras und Steppe seid ihr mir: aber ich will laufende Feuer aus euch machen und Verkünder mit Feuerzungen.



Gold blitzt ihm im dunklen Auge: ein goldner Kahn schwimmt drin auf schwarzen Gewässern.



Ihr seid klug und habt kluge Finger: aber erst wenn sich eure Finger in eure Faust verkrochen haben, will ich auch an eure Kraft glauben.



Ich weiß euch meine bunten Decken aufzulegen: und wer sich aufs Pferd versteht, versteht sich wohl auch auf den Sattel.



Noch gleiche ich dem Hahn auf fremdem Gehöfte, nach dem auch die Hennen beißen.



Es ist mehr Ungerechtigkeit im Verehren als im Verachten.



Wie hoch ich wohne? Niemals noch zählte ich, wenn ich stieg, die Treppen bis zu mir: wo alle Treppen aufhören, da beginnt mein Dach und Fach.



Man wird dich noch an den Haaren in deinen Himmel ziehn müssen!



Von besserem Stoffe dünkt ihr euch, ihr Schwärmerischen? Daß ihr euch nur nicht bloß besser auf Kleider und Verkleidung versteht! Ihr wißt euren Stoff besser zu bemänteln!



Bin ich sonst unsichtbar, so will ich doch an den Masten einsamer Schiffer und Entdecker sichtbar werden—als Flamme und Zeichen der Hoffnung.



Stand nicht die Welt still? Wie mit furchtbaren Ringeln umwand und band mich diese Stille!



Das Weib sagte: “wohl brach ich die Ehe. Aber zuerst brach mich die Ehe!”



Den, der uns liebt, zu verführen, daß er thut, worüber er Scham leidet vor sich und uns—das ist das Grausamste der Grausamen.



Und wenn dir nicht die Sterne vom Himmel fallen wollen, so wirf deinen Stern nach dem Himmel—das sei deine ganze Bosheit.



Und wer sich aus der Höhe zu den Menschen herabwirft: was darf dem an gebrochenen Gliedmaßen gelegen sein?



Ihr blickt zurück auch, wenn ihr vorwärts geht: und oft muß man euch wider den Leib rennen.



Ich horchte auf Wiederhall, aber ich hörte nur Lob.



Viel von sich reden ist auch ein Mittel sich zu verbergen.



Wer uns nicht fruchtbar macht, wird uns sicher gleichgültig.



Man handelt wohl für seinen Nächsten, aber man schafft nicht für ihn.



Mitunter siegt wirklich die Wahrheit: irgend ein Irrthum hat für sie gekämpft.



Schon dort, wo eure Redlichkeit aufhört, sieht euer Auge nichts mehr.



Seine schlimmen Eigenschaften lassen es ihn entgelten, wenn sie sich haben von der Tugend überwinden lassen.



Er überredet so, daß er die Gründe selber überredet, ihm nachzulaufen.

16 [8]

Daß Zarathustra die höchste Noth erreicht und damit erst sein höchstes Glück: er wird schrittweise unglückseliger und glücklicher. Im Augenblick, wo Beides aufs Furchtbarste contrastirt, geht er zu Grunde. Zum Plane.

16 [9]

“Dies sind die Reden Zarathustra’s von den sieben Einsamkeiten”—: darin soll dargestellt werden, wie die Noth parallel wächst mit dem Glücke. Das Schenken, so wie das Schaffen zeigt sein andres Gesicht. Die Härte in der Tugend: die Qual in Mitleid und Gerechtigkeit: die Vereinsamung und Heimatlosigkeit für den Freund der Kommenden: das Schaffen als ein Zaubern bringt eine Entzauberung mit sich in Bezug auf alles, was da ist: die Unlust an den höchsten Exemplaren entfremdet uns denen, an welchen doch gearbeitet werden muß: usw.

16 [10]

Mir die ganze Immoralität des Künstlers in Hinsicht auf meinen Stoff (Menschheit) zu erobern: dies war die Arbeit meiner letzten Jahre.

Die geistige Freiheit und Freudigkeit mir zu erobern, um Schaffen zu können und nicht durch fremde Ideale tyrannisirt zu werden. (Im Grunde kommt wenig darauf an, wovon ich mich loszumachen hatte: meine Lieblings-Form der Losmachung aber war die künstlerische: d.h. ich entwarf ein Bild dessen, was mich bis dahin gefesselt hatte: so Schopenhauer, Wagner, die Griechen (Genie, der Heilige, die Metaphysik, alle bisherigen Ideale, die höchste Moralität)—zugleich ein Tribut der Dankbarkeit.

16 [11]

Es that Noth, mich von dem Wahne zu erlösen, daß die Natur verlernen müsse, Ziele zu haben.

Lösung von der Weltmüdigkeit: Dafür jetzt meine Lehre von der Erlösung des Menschen von sich selber.

“sie haben erkannt, und es ekelt sie zu handeln p. 35 Geburt der Tragödie. “sie rettet die Kunst—und durch die Kunst rettet sie sich das Leben.” Grundgedanke. [Vgl. Jacob Burckhardt, Griechische Culturgeschichte. Handschriftliche Nachschrift des Kollegs durch Dr. jur. Louis Kelterborn (1875). HAAB Exemplar.] Mein weiteres Leben ist die Consequenz.

Künstler (Schaffender), Heiliger (Liebender) und Philosoph (Erkennender) in Einer Person zu werden:—mein praktisches Ziel!

Die Bescheidung: um Raum und Kraft und Muth zum Schaffen zu finden. (Begrenzung auf das Menschliche, im Gegensatz zu “Weltprozeß” und “Hinterwelt”)

Um mir Freiheit von den alten Idealen zu schlaffen: wandte ich mich mit Wohlwollen hin nach den entgegengesetzten Idealen : ich suchte das Beste auch an dieser Zeit heraus.

Ich machte mich los: von der Bildung, von der bisherigen Art der Gelehrten

“Pessimist des Intellekts.”

“intellektuales Gewissen” Entstehung: “das Wahre ursprünglich nützlicher und ehrebringender. Vermischte Meinungen und Sprüche p. 13.

Mein Hohn gegen die Weltprozeßler-Unbescheidenheit, mein Unglaube an einen “Trieb nach Erkenntniß in sich,” ich ließ den historischen Sinn nur aus drei Trieben entstehen.— War alles schon vorhanden.

Haß gegen den Kantischen Obscurantismus, gegen die Kantische Lehre vom interesselosen Wohlgefallen und Schweigen des Willens.

16 [12]

Danke dem, der da nimmt!

16 [13]

Habe Mitleiden mit deinem Fuße, daß er nicht auf Moorast trete: Den, der seinen Freund verräth, sollst du nicht einmal mit dem Fuße treten.

16 [14]

Zur Überwindung der bisherigen Ideale (Philosoph, Künstler, Heiliger) that eine Entstehungs-Geschichte noth.

An Stelle des Heiligen-Liebenden stellte ich den, der alle Phasen der Cultur liebevoll-gerecht nachempfindet: den historischen Menschen der höchsten Pietät.

An Stelle des Genies setzte ich den Menschen, der über sich selber den Menschen hinausschafft (neuer Begriff der Kunst (gegen die Kunst der Kunstwerke)

An Stelle des Philosophen setzte ich den freien Geist, der dem Gelehrten, Forscher, Kritiker überlegen ist und über vielen Idealen noch leben bleibt: der ohne Jesuit zu werden, trotzdem die unlogische Beschaffenheit des Daseins ergründet: der Erlöser von der Moral.

Schopenhauer als Erzieher p. 60 “Erst, wenn wir in der jetzigen oder in einer kommenden Geburt, selber in jenen erhabenen Orden der Philosophen, der Künstler und der Heiligen aufgenommen sind, wird uns auch ein neues Ziel unserer Liebe und unseres Hasses gesteckt sein—einstweilen haben wir unsere Aufgabe.”

Der Werth des Irrthums (Wahns)
  des Vergessens
   
endlich der Werth des Bösen
  der Feindschaft

16 [15]

[Vgl. Paul Rée, Der Ursprung der moralischen Empfindungen. Chemnitz: Schmeitzner; London E. C.: Wohlauer, 1877.]

Meine Differenzen mit Rée: Grundgegensatz Gebundenheit an ein Herkommen und Lösung davon—nicht “Egoistisch” und “Unegoistisch”

Es fehlt ihm der historische Blick für die außerordentliche Verschiedenheit in den Werthtafeln des Guten.

M[enschliches,] A[llzumenschliches] p. 79.

Andere Ableitung des Gerechtigkeitsgefühls und der Eitelkeit.

Ich bekämpfe den Gedanken, daß der Egoismus schädlich und verwerflich ist: ich will dem Egoism das gute Gewissen schaffen.

Ich behaupte, daß der Heerden-Instinkt das ursprünglich Stärkere und Mächtigere ist: daß das Individuell-Handeln (das Nicht-nach-dem-Herkommen-handeln) als böse empfunden worden ist.

sie sagen: nur als Gewohnheit etwas verwerflich finden — — —

Rée meint, der Nutzen sei etwas Geringeres: seine ganze Betrachtungsart steht unter dem moralischen Vorurtheil.

p. 47 “wenn bei den Strafen nichts daran erinnert, daß sie ein Abschreckungsmittel sind, so muß der Schein entstehn, als ob sie eine Vergeltung sind.” Warum? Was ist denn Vergeltung? Er meint, das Gerechtigkeitsgefühl entstehe, weil etwas Vergeltung scheint. Aber der Begriff Vergeltung ist nicht untersucht. Auch, daß alle Strafe aus der Rache entsteht, übersehen.

“Handlungen, die nothwendig sind, können nicht vergolten werden” p. 49 Gewiß können sie das! Er meint, sie sollten es nicht, es wäre unbillig! d. h. er steht selber unter den moralischen Voraussetzungen.

Gerechtigkeits-Gefühl d. h. verlangen, daß ein vergeltendes Leid geschehe.— Nach Rée die Folge von 2 Irrthümern: 1) daß die Strafe Vergeltung scheint 2) daß man den Willen für frei hält.

Er meint, man würde nicht vergelten, wenn man den Nächsten für unfrei hielte. Nun denke man, was hier vergelten ist: zunächst hindern, hemmen, daß das Schädigen fortgeht. Man vergilt einem fallenden Steine nicht.— Er hat Recht.

Fehlerhaft ist bei Rée, das Gerechtigkeitsgefühl aus dem Strafen und nach dem Strafen entstehn zu lassen: während die Strafen aus ihm entstanden sind.

Unserem Schädiger muß vergolten werden, weil er das Bewußtsein unserer Macht gemindert hat: es ist ein Verbrechen an unserer Selbst-Schätzung.

Es genügt durchaus nicht: einen moralisch guten Zweck haben nur die das Wohl Anderer ihrer selber wegen wollen, sondern was für ein Wohl.

Ihn interessirt nur die Entstehung der Urtheile “gut” und “böse”—aber die bestimmte Beschaffenheit dieser Handlungen, ihre wirkliche Nützlichkeit (im Verhältniß zu der vermeinten) interessirt mich.

Moral zuerst Selbstverherrlichung des Mächtigen und der herrschenden Kaste.

Lust-Unlust sind Begleit-Erscheinungen, keine Zwecke.

16 [16]

Irrlicht auf einem Sumpfe.

16 [17]

Ersatz der Rache: sobald man begriffen hat, daß der Eingriff in unser Machtgefühl es war, was uns so kränkte, soll man darüber nachdenken, wie man sich eine Steigerung des Machtgefühls schafft. Es ist eine Geistes-Armut, dabei stehn zu bleiben, daß man den Schädiger selber schädigt und mehr schädigt. Dies ist aber noch der Fall bei unserem Strafrecht. Hier ist das Gemeinde-Machtgefühl beleidigt, wenn Jemand das Gesetz bricht: eine kühne Unternehmung, eine noble Handlung zum Besten des Gemeinwesens könnte recht wohl dagegen gerechnet werden! Es sollten Einzelne einen Schaden so wieder gut machen, den andere Einzelne stiften: gleichsam als überschüssige Gutthäter.— Ist aber der Einzelne beleidigt, so soll er sich eine Stufe höher begeben und so sein Machtgefühl herstellen und erweitern. Die ganze Gemeinheit der Elenden soll ein Sporn und eine Leiter der Edlen werden.— Aber man soll nicht einzelne Handlungen vergelten: Handlungen sind Symptome des ganzen Wesens—es giebt keine einmaligen Handlungen. Sobald ich erkenne: “ein Mensch ist dessen fähig”—so ist meine Gesammt-Stellung zu ihm verändert: von jetzt ab gilt er mir als Feind und ich will ihn nicht nur bekämpfen, sondern vernichten.— “Er gehört nicht mehr zu uns” ist unsere Maßregel.

Mein Programm: Beseitigung der Strafe: für uns. Unsinn in der Wiedervergeltung. (Ist etwas Böse, so thut ja der Wiedervergelter ebenfalls das Böse.) Nicht abschreckend ist der Zweck, sondern sich schützen vor weiterem Schaden (nebst Ärger darüber, daß wir zu arglos waren)

16 [18]

Gegen Rée: wo Leid ist, da ist etwas gethan worden, was wider den Nutzen war—in der Natur, etwas Zweckwidriges.

16 [19]

Wenn es wahr ist, daß der Gesichtspunkt der Gemeinde Nützlichkeit den Werth des Uneigennützigen bestimmt hat: so bleibt jetzt noch zu fragen: ist das Urtheil wahr, berechtigt? Ist der Wohlwollende nützlich?

16 [20]

Wo Lebendiges ist, da giebt es plötzliche Explosionen von Kraft: das subjektive Gefühl ist “freier Wille” dabei. Die Zahl und die Mächtigkeit dieser Explosionen bestimmt zunächst den Werth eines Lebendigen: dann die diesen Explosionen gegebene Richtung. Wenn wir von “Motiven zum Handeln” reden, meinen wir immer nur “die Motive zur Richtung.”

16 [21]

Ziel: Höherbildung des ganzen Leibes und nicht nur des Gehirns!

16 [22]

Über die Massen müssen wir so rücksichtslos denken wie die Natur: sie erhalten die Art.

16 [23]

Hinter meiner ersten Periode grinst das Gesicht des Jesuitismus: ich meine: das bewußte Festhalten an der Illusion und zwangsweise Einverleibung derselben als Basis der Cultur. Oder aber: Buddhismus und Verlangen in’s Nichts (der Schopenhauerische Widerspruch zwischen Theorie und Praxis unhaltbar). Der ersten Gefahr ist W[agner] erlegen.

16 [24]

NB! Geschichte des höheren Menschen. Die Züchtung der besseren Menschen ist ungeheuer viel schmerzhafter. Ideal der dabei nöthigen Opfer bei Zarathustra zu demonstriren: Verlassen von Heimat, Familie, Vaterland. Leben unter der Verachtung der herrschenden Sittlichkeit (verachtet). Qual der Versuche und Fehlgriffe. Lösung von allen den Genüssen, welche die älteren Ideale boten (man empfindet sie theils feindlich, theils fremd auf der Zunge)

16 [25]

Der Genuß im Wehethun, weil es eine Steigerung des Machtgefühls mit sich bringt. am größten, wenn eine Verminderung vorherging—also in der Rache.

Der Genuß im Wohlthun ist auf ganz gleicher Basis erwachsen—und Großmuth ist eine sublimirte Rache und daher ein sehr großer Genuß.

16 [26]

Jedes Lebendige greift so weit um sich mit seiner Kraft, als es kann und unterwirft sich das Schwächere: so hat es seinen Genuß an sich. Die zunehmendeVermenschlichung” in dieser Tendenz besteht darin, daß immer feiner empfunden wird, wie schwer der Andere wirklich einzuverleiben ist: wie die grobe Schädigung zwar unsere Macht über ihn zeigt, zugleich aber seinen Willen uns noch mehr entfremdet—also ihn weniger unterwerfbar macht.

16 [27]

Die moralische Werthschätzung bezieht sich zuerst auf die Unterscheidung von höheren und niederen Menschen (oder Kasten) Moral ist zuerst Selbst-Verherrlichung der Mächtigen: und in Hinsicht auf die Unmächtigen Verachtung. Nicht “gut” und “böse,” sondern “edel” und “gemein” ist die ursprüngliche Empfindung. Dann erst werden die unterscheidenden Handlungen und Eigenschaften edel genannt, und die ihnen entgegengesetzten gemein.

16 [28]

Der Dieb handelt nicht, um den Genuß einer Macht zu haben, er versetzt sich nicht in die Wirkung hinein, die seine Handlung im Anderen hervorbringt. Ebenso wenig der Räuber, oder wer den Anderen tödtet, um ihm Etwas zu nehmen. Aber sie verrathen, daß sie sich vor uns fürchten, deshalb — — —

16 [29]

In wie fern ist Verletzung Unrecht?— Es entsteht bei der Verletzung das Bedürfniß nach Vergeltung: was ist das? Nicht zu verwechseln, das Gefühl, einen Feind erkannt zu haben, dem wir das weitere Schädigen unmöglich machen. Oder die Absicht, das uns Genommene zurückzuerhalten oder ein Äquivalent. Eine Erbitterung ist noch dabei. An sich wird der Feind nicht als schlecht empfunden: aber fast immer ist bei dem Verletzten ein Selbst-Vorwurf: wir waren zu sorglos, unsere Waffen waren nicht in Ordnung, wir hätten uns längst für gewarnt halten können usw. Dieser Verdruß über uns selber—also eine geringere Achtung vor uns—ist der Hauptgrund der Erbitterung in der Rache: und auch der Anlaß zur Feinheit in der Ausführung der Rache.



Daß Alles bezahlt wird und für jedes Ding ein Aquivalent existirt, hat die Phantasie dazu geführt, auch ein Aquivalent von Schaden zu erdenken: und von Vergeltung zu reden. Aber im Grunde ist es auf etwas Andres abgesehn, auf viel mehr als eine Abzahlung. Vergeltung ist nur eine Heuchelei und Schönfärberei des sich Rächenden. “Schuld.”

Das Gefühl der Rachelust hört auf, wenn der Verletzer sich demüthigt, den Schaden gut macht: damit ist er besiegt.

Das Absichtliche im Schädigen ist ursprünglich nicht in’s Auge gefaßt: sondern daß man beschädigt ist und um wie viel. Die Strafe folgt darauf. Das Schädigen wird vergolten—ist die älteste Form, nicht die feindselige Gesinnung. Die Empörung entsteht über die Schädigung also über den Erfolg des Feindes, nicht über die Feindseligkeit. Es ist das Gefühl des Besiegten—das Verlangen nach Vergeltung: nicht das Gefühl, daß Unrecht geschehn sei.



Rache, das Verlangen nach Vergeltung ist nicht das Gefühl, daß Unrecht geschehn sei, sondern daß ich besiegt bin—und daß ich mit allen Mitteln jetzt meine Geltung wieder herstellen muß.

Unrecht entsteht erst, wo ein Vertrag gebrochen ist, wo also Friede und Treue verletzt wird. Dies ist die Empörung über eine unwürdige Handlung, unwürdig der vorausgesetzten Gleichheit der Empfindungen. Also etwas Gemeines, Verächtliches muß daran sein, das auf eine niedrigere Stufe weist. Die Gegen-Absicht kann nur die sein, das unwürdige Wesen auf diese tiefere Stufe zu setzen: also ihn von uns zu trennen, auszustoßen, zu erniedrigen, Schmach anzuthun. Sinn der Strafe.

Der Sinn der Strafe ist nicht abzuschrecken, sondern in der gesellschaftlichen Ordnung Jemanden niedriger zu setzen: er gehört nicht mehr zu den uns Gleichen.

Jede Maßregel, die dies bewirkt, ist ausreichend. “Ächtung.” In dieser Richtung muß sich das Strafwesen entwickeln!

16 [30]

Zarathustra 3: Die Anderen dürfen gehorchen: und ihre Eitelkeit verlangt, daß sie nicht abhängig von großen Menschen, sondern von “Principien” erscheinen.

16 [31]

Die Erbitterung über uns selber, bei der Rache, setzt sich bei geringeren Naturen sehr schnell um in Empörung gegen den Feind und den Wunsch, ihn etwas Verächtlichen zu beschuldigen

16 [32]

Die Vergewaltigung und der Übermuth des Mächtigen in Hinsicht auf den Unterworfenen: die Entwicklung der Klugheit und der Vermenschlichung geht dahin, diese Vergewaltigung und diesen Übermuth immer geistiger werden zu lassen. Aber wie sollte die Macht sich nicht selber genießen wollen!

Das höchste Verhältniß bleibt das des Schaffenden zu seinem Material: das ist die letzte Form des Übermuths und der Übermacht. So erst ist die organische Form zu Ende gebracht: also gleich wie der Leib abhängig ist von den Willens-Impulsen und dabei sich selber genießt, wenn er am besten beherrscht wird.

16 [33]

Die Erlösung von der Moral.

Organisch-moralisch (Wettstreit der Affekte und Überherrschaft eines Affektes über den Intellekt)



Rache, Unrecht, Strafe.



Wer an gut und böse glaubt, der kann niemals das Böse als Mittel zum Guten behandeln; und jede teleologische Weltbetrachtung, die nicht mit der Sittlichkeit absolut bricht, ist verloren.

Es könnte eine Geschichte der Werthurtheile über Lebensmittel geben: dabei bestünde vollkommen noch die Frage: welchen Werth hat es daß so und so gegessen worden ist?— So bleibt die Frage: welchen Werth hat es, daß so und so zeither gehandelt worden ist?, getrennt von der Frage: was hat man bisher den Handlungen für Werthe zugemessen?— Die Geschichte der bisherigen Werthschätzungen und ihrer Gründe ist etwas anderes als die Schätzung selber.

Kein Mensch wird sagen: daß der Stein falle, das sei Moral. Nun denn! der Mensch steigt—und das ist auch nicht Moral!

Das Collectiv-Gewissen. Der Atavismus in der Schätzung des Unegoistischen.

16 [34]

Der Schwächere giebt nach und unterwirft sich, wenn die Rache Unsinn ist.

16 [35]

“Was Zarathustra bestimmt hat, wird geschehen: wie sollte seine große Seele ihren Entschluß ändern können!”

16 [36]

Halten wir fest, daß der Mensch das Raubthier aller Raubthiere ist! Man sagt, er liebe sich selber: aber das ist herzlich wenig Liebe!

16 [37]

Zarathustra erkennt, daß er auch nicht für seine Freunde da ist “Wer sind meine Freunde!” Weder fürs Volk, noch für Einzelne! Weder für Viele noch für Wenige! Die Freundschaft zu überwinden! Zeichen seiner Selbst-Überwindung im Anfang von III

Emerson p. 426 Schilderung des Weisen. [Vgl. Ralph Waldo Emerson, Versuche (Essays), aus dem Englischen von G. Fabricius. Hannover: Carl Meyer, 1858:426.]

16 [38]

Als er Pana erräth, stirbt Zarathustra vor Mitleid mit ihrem Mitleid. Vorher der Augenblick der großen Verachtung (höchste Seligkeit!)

Alles muß in Erfüllung gehn, namentlich alles aus der Vorrede.

16 [39]

Der letzte Verhalt, das feinste Stillschweigen verhindert allen großen Erfolg: sobald der M[ensch] vollkommen der Wahrheit ist, bewegt er die ganze Natur. III Theil Zarathustra

16 [40]

Es handelt sich um mehr als Schenken: um Schaffen, um Vergewaltigen! Grundgedanke der zweiten Einsamkeit (Beginn vom III.)

Unsere “Geschenke” sind gefährlich!

16 [41]

Beherrschung der Menschheit zum Zweck ihrer Überwindung

Überwindung durch Lehren, an denen sie zu Grunde geht, ausgenommen die, welche sie aushalten.

16 [42]

Zuerst wenden sich Alle von Zarathustra ab (dies schrittweise zu schildern!). Zarathustra entzückt, merkt nichts. Pana will ihn tödten. Im Augenblick, wo sie den Dolch führt, versteht Zarathustra alles und stirbt am Schmerz über dieses Mitleiden. Dies ist deutlich zu machen!

16 [43]

Die “Wahrheit,” die “Vernichtung der Illusionen,” “auch der moralischen Illusion”—als das große Mittel der Überwältigung der Menschheit (ihrer Selbstzerstörung!) III Theil.

NB. Alle hier an Zarathustra dargestellten Leiden der Entwicklung sind viel mehr als Leiden des höheren Menschen an seinen Besuchern darzustellen.

16 [44]

Aus Liebe that ich das größte Leid: nun schmelze ich weg an dem Leide das ich that—

16 [45]

Als alle fort sind, streckt Zarathustra nach der Schlange die Hand aus: “was räth mir meine Klugheit?”—sie sticht ihn. Der Adler zerreißt sie, der Löwe stürzt sich über den Adler. Als Zarathustra den Kampf seiner Thiere sah, starb er.

16 [46]

Man hat keine Zeit für mich? Gut, so werde ich warten. Was liegt an einer Zeit, die “keine Zeit hat”!

16 [47]

Zarathustras Dankgebet eines Genesenden.

16 [48]

Zarathustra als “Herbst,” als “Pflugschar” usw.—verschiedene Melodien!

16 [49]

Rede auf die Unschuld des Werdens. Seligpreisung sub specie aeterni.

Die Weihung des Kleinsten.

Die Gelobenden.

Die neuen Könige.

Das Zerbrechen der Tafeln. (Aus Theil 4 Anfang von Scene 3)

Der große Mensch als Rival mit der großen Natur.

Die zwei Bewegungen (zum letzten Menschen und zum Übermenschen).

Die Erlösung der Bösen.

Eine viel längere Jugend, in vielen Ländern und Gewerben und Künsten umher, als Kind.

Die neuen Lehrer als Vorstufe der höchsten Bildner (ihren Typus aufdrückend)

Die schwerste Erkenntniß als Hammer.

Lob der Barmherzigkeit (zu Gunsten der Kommenden)

Heraufbeschwören der Feinde! (wir haben sie um unseres Ideals willen nöthig!

Unsere ebenbürtigen Feinde in Götter verwandeln und so uns heben und verwandeln!

Einheit des Schaffenden, Liebenden, Erkennenden in der Macht.

Der Wille zum Leiden—zum Tiefnehmen des Leidens, als Mittel der Verwandlung.

Der Parasit als der Schlechte. Wir dürfen nicht nur Genießende des Daseins sein—unvornehm.

Das frohlockende Gewissen: als Gebet.

Gegen Lob und Tadel. Nach Jahrhunderten leuchten; Vorausbestimm[ung] der Zukunft.

Die Überwältigung der Vergangenheit: und dann das heilende Vergessen, der göttliche Umkreis.

Das heilige Lachen.

Das Trost-Lied (nach meiner Musik).

Die Lehre der Wiederkehr ist der Wendepunkt der Geschichte.

16 [50]

Einsamkeit für eine Zeit nothwendig, damit das Wesen ganz und durchdrungen werde—ausgeheilt und hart.

Neue Form der Gemeinschaft: sich kriegerisch behauptend. Sonst wird der Geist matt. Keine “Gärten,” und bloßes “Ausweichen vor den Massen.” Krieg (aber ohne Pulver!) zwischen verschiedenen Gedanken! und deren Heeren!

Neuer Adel, durch Züchtung. Die Gründungs-Feste von Familien.

Der Tag neu eingetheilt; die körperlichen Übungen für alle Lebensalter. Der Wettkampf als Princip.

Die Geschlechts-Liebe als Wettkampf um das Princip im Werdenden, Kommenden.— Das “Herrschen” wird gelehrt, geübt, die Härte ebenso wie die Milde. Sobald ein Zustand meisterlich gekonnt wird, muß ein neuer erstrebt werden.

Sich durch die Bösen belehren lassen und auch ihnen Gelegenheit geben zu Wettkämpfen. Die Entartenden zu benutzen.— Das soll das Recht der Strafe sein, daß der Frevler benutzt werden darf, als Experiment-Objekt (zu neuer Ernährung): dies ist die Weihe der Strafe, daß hier zum höchsten Nutzen der Kommenden einer verbraucht wird.

Wir schonen unsere neue Gemeinde, weil sie die Brücke zu unserem Ideale der Zukunft ist. Und für sie arbeiten wir und lassen die Anderen arbeiten.



Wohnorte.
Art der Gemeinschaft.
Kriege.
Der neue Adel.
Die Versuche (Strafen usw.)
Das Weib im Weibe erlösen.
Die vielen Seelen-Wanderungen des Einzelnen. Lange Jugend.
Die Zeit zur Einsamkeit.



Die Wahl der Wohn-Orte neu (Jeder als warnendes Beispiel!)



Das Weib im Weibe erlösen!



Die körperliche Stärke soll auf der Seite des größten Gedankens sein—so lange muß Krieg sein zwischen den verschiedenen Gedanken!

16 [51]

Plan zu III Zarathustra.

Zarathustra 3: der Übergang vom Freigeist und Einsiedler zum Herrschen-Müssen: das Schenken verwandelt sich—aus dem Geben entstand der Wille, Zwang-zum-Nehmen zu üben. Die Tyrannei des Künstlers zuerst als Selbst-Bezwingung und—Verhärtung!

Psychologie des Herrschenden. (Das Verlangen nach den Freunden entpuppt sich als Verlangen nach Werkzeugen des Künstlers!)



Zarathustra 3: zuerst Flucht vor der “unaussprechlichen Wahrheit” Skepsis, Verhöhnung seiner selber, willkürliche Blindheit, zunehmendes Elend, Schwächegefühl. Die 7 Einsamkeiten—Versuch, irgendwo in einer vergangenen Welt-Betrachtung unterzukommen, auszuruhen. Die Einwände gegen seine Lehre präsentiren sich. Die Verführer auch. (Einzuschieben: “das Trost-Lied.”)

Das schwerste Leid ist, nicht um seiner Willen, sondern daß seine Liebsten an seiner Lehre verbluten.— Aber zugleich erhebt sich Zarathustra nach diesem Erlebniß zur größten Härte gegen sich und die Nächsten und denkt nur noch an die “Zukunft.”

Zuletzt der Löwe als drittes Thier Zarathustra’s—Symbol seiner Reife und Mürbe.

Dankgebet des Genesenden”: Damit schließt Theil 3.

16 [52]

Die Liebe zu den Freunden möchte Zarathustra zwingen, seine große Wahrheit zurückzuhalten: auch nachdem er sie sich selber eingestanden hat.— Das ist das Problem des Herrschenden: er opfert die, welche er liebt, seinem Ideale.

16 [53]

Der Bund der sich Opfernden auf Zarathustra’s Grabe. Vorher sind sie geflohen: jetzt, als sie ihn gestorben finden, werden sie die Erben seiner Seele und heben sich auf seine Höhe. (Dies die letzte Scene im Zarathustra 4—“der große Mittag”—heiter—tiefer Himmel)

16 [54]

Alles warnt Zarathustra, weiter zu reden: Vorzeichen. Er wird unterbrochen. Einer tödtet sich, einer wird wahnsinnig. Stimmung eines göttlichen Übermuths im Künstler—: es muß an’s Licht. Als er zugleich die Wahrheit der Wiederkehr und den Übermenschen gezeigt hat, überwältigt ihn das Mitleiden.

Bei ihm zunehmende Erhebung (bei dieser Erhebung macht er alle Stufen des Bösen durch—aber um seines Zieles willen. Er ist da der Lehrer des Bösen, der Härte usw.) und “Alpenglühen”—bei seinen Zuhörern zunehmende Verdüsterung. Zuletzt Regen usw.

16 [55]

Plan zum 4. Zarathustra.

1. Der Sieges-Zug, die Pest-Stadt, der symbolische Scheiterhaufen. 30
2. Die Verkündungen der Zukunft: seine Schüler erzählen ihre Thaten. 30
3. Die letzte Rede mit Vorzeichen, Unterbrechungen, Regen, Tod. 30
4. Der Bund auf seinem Grabe—die Gelobenden—der große Mittag—ahnungsvoll-heiter und schauerlich. 30

16 [56]

“Willst du dies noch einmal?”

Hellsichtig über sein Schenken und Lehren, über die Liebe zu seinen Freunden.

Die höchste Verantwortlichkeit fühlt er auf sich liegen.

Was Glück!

Wille zum Leiden und Charakter-Stärke des Wegs (die Kalten, Harten, Parasitischen).

Ein Experiment jedes wirkliche Leben!

Die Moral bisher aus Schwäche: man wollte Autorität und erdichtete sich die Rückenlehnen.

Der Widerspruch der Güte und des Schöpferischen: das ist das Problem der Weisheit.

16 [57]

Auch die Triebe der zukünftigen Menschheit sind schon da und verlangen ihre Befriedigung—ob wir sie gleich noch nicht bewußt kennen. So giebt es auch im großen Individuum eine anscheinende Sorge für noch nicht vorhandene Bedürfnisse.

16 [58]

Dies sind die Reden von den sieben Einsamkeiten, welche Zarathustra zu seinem Herzen redete, als er seine Freunde verlassen hatte und auch seine Thiere; und damals hätte er gerne sich selber verlassen.

16 [59]

Man soll das Weib im Weibe freigeben!

16 [60]

Es ist nicht genug, eine Lehre zu bringen: man muß auch noch die Menschen gewaltsam verändern, daß sie dieselbe annehmen!— Das begreift endlich Zarathustra.

16 [61]

Die Vergangenheit in uns zu überwinden: die Triebe neu combiniren und alle zusammen richten auf Ein Ziel:—sehr schwer! Es sind durchaus nicht nur die bösen Triebe, welche zu überwinden sind—auch die sogenannten guten Triebe müssen überwältigt werden und neu geweiht!

Die Versuchungen:

auszuruhen in der vergangenen Welt-Betrachtung.

Die spöttische Skepsis und Selbst-Zersetzung: was könntest du denn “schaffen”!

“du bist nicht stark genug! Überlaß es Stärkeren!” Genieße deine Müdigkeit selber! Bewundre dich!

überrede dich, daß dein Mitleiden die Tugend ist und daß du dem Glück Anderer deine Erkenntniß opferst.

Gesteh dir doch ein, was dieser Wille zum Schaffen ist—Herrschsucht, welche sich nicht auf dem nächsten Weg befriedigen kann. “Freunde?” Du willst Werkzeuge haben!

Und warum denn diese Wahrheit reden! Selbst wenn du glauben dürftest, daß es Wahrheit ist! Es giebt ja keine Verbindlichkeit mehr für dich! Keine “Pflicht zur Wahrheit”!

Du verleidest Allen den Genuß des Vorhandenen, du bist der Lehrer der großen Müdigkeit selber!

du entkräftest die Tugend und machst sie weniger gelobt, also weniger begehrt. Du selber raubst der Menschheit die Kraft, mit der sie nach dem Ziele laufen könnte!

16 [62]

Der Grad von psychologischer Feinheit entscheidet, ob einer seine Handlungen gut oder böse auslegt. Und nicht nur Feinheit, sondern seine Rachsucht, Verstimmung, Gutartigkeit, Leichtsinnigkeit usw.

16 [63]

NB. Der Gedanke selber wird im dritten Theil nicht ausgesprochen: nur vorbereitet. Zuerst: Kritik alles bisher Gelehrten.



Welche Trostmittel ihm abhanden gekommen sind.

der Glaube und das Zutrauen zu einer höchsten Weisheit und Güte

der Glaube an das Gute, die Stimme der Pflicht usw.



Das böse Gewissen (an das beste Gewissen setzt sich Furcht Selbst-Mißtrauen, Skepsis, Verschweigen-Müssen, Verstellung an usw.)



Das Lied des Fliegenden.



Der Mensch als Rival der großen Natur.



Furcht vor den Folgen der Lehre: die besten Naturen gehen vielleicht daran zu Grunde? Die schlechtesten nehmen sie an?



Lösung Zarathustra III: du mußt dich über die Moral erheben, du hast sie durchschaut—deine ganze Trübsal war ihre Folge.

es giebt kein andres Mittel, wie der Mensch sich selber überwindet.

Das geringste Verschweigen lähmt seine ganze Kraft: er fühlt, daß er einem Gedanken bisher ausgewichen ist,—der stürzt nun mit ganzer Kraft über ihn her! Es ist ein Ringkampf: wer ist stark genug, Zarathustra oder der Gedanke?

Wozu Wahrheit?— Es ist der stärkste Trieb geworden, der Wille zur Wahrheit! Zarathustra kann nicht anders!

— und ob ich von jetzt an rückwärts zähle oder vorwärts: ich halte den Streifen der Unendlichkeit in der Hand und — — —

Die Thoren sagen: “aber da wäre ja eine Unendlichkeit schon vollendet”: doch man soll reinlich sein im Scheiden der Worte und nicht einmal Anfang nennen, was man das andere Mal Ende nennt.



Seine Beruhigung: es läßt sich die Wirkung nicht voraussehn!

der größte Gedanke wirkt am langsamsten und spätesten!

seine nächste Wirkung ist ein Ersatz für den Unsterblichkeitsglauben: er mehrt den guten Willen zum Leben?

Vielleicht ist er nicht wahr—mögen Andere mit ihm ringen!

16 [64]

1. Die Einsamkeit in Scham und Schwäche und Schweigen vor einem großen Gedanken.

Wozu Wahrheit!

2. Die Einsamkeit, der alle alten Trostgründe abhanden gekommen sind.

3. Die Einsamkeit mit den Versuchungen.

4. Die Einsamkeit ohne Freunde, ja mit dem Bewußtsein, die Freunde zu opfern.

5. Die Einsamkeit der höchsten Verantwortlichkeit.

6. Die Einsamkeit in der Ewigkeit, jenseits der Moral: der Schöpferische und die Güte. Es giebt keine Lösung als ein anderes Wesen zu schaffen, das nicht so leidet wie wir.

Determinism: “Ich bin für alles Kommende ein fatum”—ist meine Antwort auf Determinismus!

7. Die Einsamkeit des Kranken. Trostlied. Müdewerden, Stillwerden. Geheiligt durch Leiden.

13 S[eiten] jede. Jedes Mal der überwindende Gedanke am Schluß.

NB. Alle Bedenken sind Zeichen des Willens zum Leiden, ein Vertiefen des Schmerzes: als der Schmerz am höchsten ist, wirft ihn Zarathustra ab:

größter Schluß-Moment (der Löwe): ich will!!!



Hymnus am Ende: der Siegreiche. (10 Seiten)

16 [65]

Der dritte Theil ist die Selbst-Überwindung Zarathustras, als Vorbild der Selbst-Überwindung der Menschheit—zu Gunsten des Übermenschen.

Dazu ist die Überwindung der Moral nöthig.

Du opferst deine Freunde—sie sind tief genug, um dran zu Grunde zu gehen: und sie haben den Gedanken nicht geschaffen (was mich noch hält!)

Dies als letztes Gegen-Argument, welches sich Zarathustra entgegenstellt—der stärkste Feind. Jetzt wird Zarathustra reif.

Im Theil 4 stirbt Zarathustra, als er den Schmerz seiner Freunde merkt: und sie ihn verlassen.— Aber nach seinem Tode kommt sein Geist über sie.

Die Institutionen als Nachwirkungen großer Einzelner und als Mittel, die großen Einzelnen einzusenken und einzuwurzeln—bis endlich Früchte entstehen.

16 [66]

Ringkampf um die Verwendung der Macht, welche die Menschheit repräsentirt! Zarathustra ruft zu diesem Ringkampfe auf. (4 Th[eil] Reden Zarathustra’s)

16 [67]

Die eudämon[istisch-]socialen Ideale führen die Menschen zurück—sie erzielen vielleicht eine sehr nützliche Arbeiter-Spezies—sie erfinden den idealen Sklaven der Zukunft—die niedere Kaste, die nicht fehlen darf!

Das Glück der Erkennenden. und ihre bisherige Stumpfheit gegen die Ergebnisse der Erkenntniß—Spottlied.

16 [68]

Die kurze Triebkraft der Künstler—sie bleiben bei dem Abbilde ihres Ideals stehn und folgen dem Ideale nicht selber mehr nach—Spottlied. Und gar die Empfänger! Es sollten Lehrer sein—diese Künstler!

16 [69]

Wie viel opfert der Feldherr, Fürst, der Sich-selber-Verantwortliche—das ist hoch zu ehren!

16 [70]

Thatsächlich versuchen die Menschen immer, den großen Einzelnen sich entbehrlich zu machen durch Körperschaften usw. Aber sie hängen ganz ab von jenen Vorbildern.

16 [71]

Der Conflikt des Herrschenden ist die Liebe zu den Fernen in ihrem Kampf mit der Liebe zu den Nächsten.

Schöpfer-sein und Güte sind nicht Gegensätze, sondern Ein- und dasselbe aber mit fernen oder nahen Perspektiven.

16 [72]

Die Schwachen müssen gehorchen.

16 [73]

Maaß und Mitte zu finden im Streben über die Menschheit hinaus: es muß die höchste und kraftvollste Art des Menschen gefunden werden! Die höchste Tendenz fortwährend im Kleinen darstellen—Vollkommenheit, Reife, rothbäckige Gesundheit, mildes Ausströmen von Macht. Wie ein Künstler an dem Tagewerk arbeiten, an jedem Werke uns zur Vollkommenheit bringen, der beste Bruder sein. Die Ehrlichkeit in dem Motive-Sich-Eingestehn, wie es dem Mächtigen geziemt.

NB. mit Wahnsinn der Sehnsucht ist alles zu verderben!

16 [74]

NB. Die inneren Schwierigkeiten des 3. Theils müssen zuletzt als gar nicht nöthig dastehn: sie selber müssen sich aufheben vor der General-Einsicht.

16 [75]

Jedes Opfer, das der Herrschende bringt, wird hundertfach aufgewogen.

16 [76]

General-Einsicht vielleicht: das Organische selber ist das Gesetz, wir können gar nicht anders—Determinism absolut. Die vielen Möglichkeiten, die wir sehen, verwirren uns.

16 [77]

Die größte Masse Kraft des Einzelnen ist so verschwendet, wie die der Sonne. Oder?

16 [78]

Ein Faktum, ein Werk ist für jede Zeit und jede neue Art von Mensch von neuer Beredsamkeit. Die Geschichte redet immer neue Wahrheiten.

16 [79]

Zarathustra 3. Diese ganze Noth, im Widerwillen gegen das Leiden, kam aus dem Gefühl, daß die Kraft noch nicht zureichte—ein Instinkt der schwäche, der zunächst am Handeln hinderte (selbst das Aussprechen des Gedankens hinderte!)— Der Wille zum Leiden ist sofort da, wenn die Macht groß genug ist.

“Die stillste Stunde” war eine Versucherin.

16 [80]

NB. Die Stimmung Zarathustra’s nicht wahnsinnig-ungeduldig nach dem Übermenschen!

sie hat Ruhe, kann warten, aber alles Thun hat Sinn bekommen, als Weg und Mittel dorthin—und muß gut und vollkommen gethan werden.

Ruhe des großen Stroms!!! Weihung des Kleinsten!!! alle Unruhe, heftiges Sehnen, aller Ekel ist im Theil 3 darzustellen und zu überwinden!

(Sanftmuth, Milde des 1 und 2 Theils), usw. alles Zeichen der noch nicht ihrer selber sicheren Kraft!)

Mit der Genesung Zarathustra’s steht Cäsar da, unerbittlich, gütig—zwischen Schöpfer-sein, Güte und Weisheit ist die Kluft vernichtet. Helle, Ruhe, keine übertriebene Sehnsucht, Glück im recht angewendeten, verewigten Augenblick!

16 [81]

Jenseits der Mitte des Lebens—unwiederruflich geopfert—nicht mehr zurück!

16 [82]

(4) Reden: die große Ehrlichkeit in Betreff der Moral—wie es dem Mächtigen gemäß ist



Sammlung ergreifender Dinge des Lebens

16 [83]

(Zarathustra 3.)

Recapitulation: der Übermensch auf alle Weise zu Schaffen. Aber du verliebst dich in deine Freunde und dich selber! Der Gedanke brachte uns eine Last.

1. Die Hellsichtigkeit.
auf dem Meere herumgeschlagen
2. Heraufbeschwörung der Wahrheit.
3. Jenseits der Mitte des Lebens—unwiederruflich geopfert.
4. Hohnlied auf die Pessimisten.
5. Ich als fatum.
6. Die große Natur und der Mensch.
7. Lied des Fliegenden.
8. Was Freunde! Lob der Freunde (die untergiengen) der stillen Schaffenden Weltverschönerer Preis der Hoffnung—jetzt erst!
9. jenseits von Gut und Böse
10. Hohn auf die, welche Vertrauen gegen das Leben haben.
11. Hohn auf die Künstler.
12. Mitgefühl mit den Herrschenden und ihren Leiden.
13. Die Skepsis als Versuchung.
14. Wahrheit—Lüge.
15. Oh daß der da wäre, dem ich fluchen könnte!
16. Gespräch mit dem Blitze. Ich selber der Wahrsager
17. Einsicht, daß das Gefühl der Schwäche seinen Geist führt.
18. Er Sucht, im Verlangen nach Mitgefühl, seine Thiere auf und findet die Höhle zerstört.
19. Zarathustra’s “große Verachtung.”
20. Versuchung zum Selbstmord. Die Schlange im Hochgebirge.
21. Krankheit. Vergessen.
22. Regenbogen. Löwin mit Taubenschwarm. Lob der urbestimmten Natur, die sich alles zum Glücke macht.
   
  gegen die Einsiedelei

16 [84]

(Zarathustra 4.)

1. Die Einladung.
2. Der Siegeszug.
3. Danklied der Genesenden.
4. Der große Mittag.
5. Die neue Gemeinschaft. Ich fand den Menschen niedrig geworden, kleine Tugenden, kleine Schlechtigkeiten.
6. Wohin? (Die Wohnorte)
7. Der neue Adel und seine Erziehung. (Vielheit und Einheit) (Mächtige und die Kleinen)
8. Das Weib im Weibe.
9. Die Bienenstöcke und die Arbeiter. Die Kleinen und ihre Tugenden
10. Eintheilung der Zeit und des Tages. Einsamkeit. Die Nahrungssimplicität. “Arm und Reich” überbrückt.
11. Die neuen Kriege (gegen die bloß Genießenden).
12. Strafe und die Bösen. Die neue Barmherzigkeit zu Gunsten der Kommenden. Die Bösen als Zerstörer ehrwürdig, denn Zerstören ist nöthig. Dann als Quelle von Kraft.
13. Das Leben als Versuch: das Glück im Errathen oder Versuchen (Scepsis). Der Tod und die Lust, sich selber als Hemmniß des Lebens weichen zu sehn.
14. Das Zerbrechen der Tafeln. Der idealische “Gesetzgeber.” Heroldsruf.
15. Das Ich geheiligt. “Selbst-sucht und Herrsch-Sucht” vor Allem. Teichm[üller] p. 131. Alle Triebe, bisher verketzert, weil zu stark an falscher Stelle, rehabilitirt. [Vgl. Gustav Teichmüller, Neue Studien zur Geschichte der Begriffe. Heft 3. Die praktische Vernunft bei Aristoteles, Gotha: Perthes, 1879:130.]
16. Die Erlösung der Vergangenen. Der große Mittag vollgestopft mit vereinigten Gegensätzen.
17. Lob der kühlen dialektischen Vernunft, als königlich stark dem Gefühl. Das dankbare Auge. Abwehr des Ungeheuren.
18. Die Heiligung des Lachens und des Tanzes. (der Leib als Zeuge des Wachsens)
19. Die Ordnung der Feste.
20. Die Unschuld des Werdens. Der Kampf mit dem Zufalle. die neue “Unsterblichkeit” “Wille zum Leiden”
21. Die große Frage.
22. Die Gelobenden.

16 [85]

Zur Genesung des Zarathustra im Schlusse des dritten Theils.

Zarathustra wie ein Gott darüber sinnend, ob er seinen

Gedanken den Menschen mittheilt. Welche Motive empfindet

ein Gott gegen Menschen?

Die Religion umzudeuten von diesem Standpunkte: der Gott

In seiner Beziehung zu den Menschen.

Zarathustra 3—“Ich selber bin glücklich”—als er die Menschen verlassen hat, kehrt er zu sich zurück. Wie eine Wolke weicht es von ihm. Typus, wie der Übermensch leben muß, wie ein Epicurischer Gott.

ein göttliches Leiden ist der Inhalt des 3. Zarathustra.

der menschliche Zustand des Gesetzgebers wird nur herangezogen zum Beispiel

seine heftige Liebe zu seinen Freunden erscheint ihm als Krankheit—er ist wieder ruhig.

Als die Einladungen kommen, weicht er milde aus.

Hauptlehre: In unserer Macht steht die Zurechtlegung des Leides zu einem Segen, des Giftes zu einer Nahrung. Wille zum Leiden.

Das Menschliche flog mich an, ihr Schatten lag um mich, da fühlte ich Schwäche.

16 [86]

Herrschen? Meinen Typus Andern aufnöthigen? Gräßlich! Ist mein Glück nicht gerade das Anschauen vieler Anderer? Problem.

Gerade jene zum Wettkampfe um Macht aufrufen, welche sich gerne verstecken und für sich leben möchten—auch die Weisen, Frommen, Stillen im Lande! Hohn über ihre genießende Einsamkeit!

Alle schöpferischen Naturen ringen um Einfluß, auch wenn sie allein leben—“Nachruhm” ist nur ein falscher Ausdruck für das, was sie wollen.

Die ungeheure Aufgabe des Herrschenden, der sich selber erzieht—die Art Menschen und Volk, über welche er herrschen will, muß in ihm vorgebildet sein: da muß er erst Herr geworden sein!

Alle Tugend und Selbstüberwindung hat nur Sinn als Vorbereitung des Herrschenden!

Gegen alle bloß Genießenden! Auch die Einsamkeit als Selbstgenuß, selbst die des Selbstquälers.

Ein diamantenes Schwert zerhaut mir jede Finsterniß: nun bin ich hellsichtig worden—war ich doch allzu lange ein Hellsüchtiger!

Gute Tage wollen auf guten Füßen gehen.

Forderung: das neue Gesetz muß erfüllbar sein und aus der Erfüllung muß die Überwindung und das höhere Gesetz wachsen. Zarathustra giebt die Stellung zum Gesetz, indem er das “Gesetz der Gesetze,” die Moral aufhebt.

Gesetze als Rückgrat.

an ihnen arbeiten und schaffen, indem man sie vollzieht. Bisheriger Sklavensinn vor dem Gesetze!

Zarathustra ist selber der Weise geworden, der sich seiner Thorheit freut und der Arme, der sich seines Reichthums freut. Scene: der Narr und der Arme in 4.

Nicht Ein Ideal des Weisen, sondern hundert Ideale des Thoren will ich aufstellen! Zarathustra 4.

Gegen die bärbeißige schauspielerische stoische Herrlichkeit des “Weisen.”

Typus des Gesetzgebers, seine Entwicklung und sein Leiden.

Welchen Sinn hat es überhaupt, Gesetze zu geben?

Zarathustra ist der Herold, der viele Gesetzgeber aufruft.

(Zu 4) Erst die Gesetzgebung. Dann, nachdem durch dieselbe die Aussicht auf Erzeugung des Übermenschen gegeben ist—großer schauerlicher Augenblick! Zarathustra verkündet die Lehre der Wiederkunft—die jetzt erst erträglich ist, ihm selber zum ersten Male!

16 [87]

Wenn die Mitmenschen nur eine Art von unseren Empfindungen sind: so ist folglich Herrschaft nur eine Art von Selbst-Beherrschung: und der Wille, Herr zu sein, ist = der höchsten Besiegung von eigener Furcht und Mitleid und Verwandlung des Anderen in unsere Funktion—also Herstellung eines Organismus.

16 [88]

Die Rechte, die ich mir erobert habe, werde ich [dem] Anderen nicht geben: sondern er soll sie sich rauben! gleich mir—und mag sie nehmen und mir abzwingen! Insofern muß ein Gesetz da sein, welches von mir ausgeht, als ob es Alle zu meinem Ebenbilde machen wolle: damit der Einzelne sich im Widerspruch mit ihm entdecke und stärke.



Neue Taxation des Menschen: voran die Frage:

wie viel Macht ist in ihm?

wie viel Vielheit von Trieben?

wie viel Fähigkeit mitzutheilen und aufzunehmen?

Der Herrschende als höchster Typus.

Die Vergangenheit befruchten und die Zukunft zeugen—das sei mir Gegenwart!

Zarathustra selber der Possenreißer, der über den armen Seiltänzer hinwegspringt—zu 3) Hohn gegen sich.

Erste Scene von 3) vielleicht “der Wanderer” und ein Gespräch mit dem Blitze, der plötzlich aufhellt: so hellt sich ihm plötzlich sein Wille auf.

Hohn gegen die sklavenhafte Unterwerfung in der Moral (unter das alte Gesetz irgend eines Menschen)

Ein langdauerndes Individuum bilden (ein Volk), um seine Gedanken in Fleisch Blut und Wille zu übersetzen



Wer ein Recht sich nimmt, wird dies Recht dem Anderen nicht geben sondern ihm Gegner sein, indem er es sich nimmt: die Liebe des Vaters, der dem Sohn widerstrebt.

Der große Erzieher wie die Natur: er muß Hindernisse thürmen, damit sie überwunden werden.

Gegen alle Genießenden:—unvornehm, sich zum Leben nur so zu stellen! Alles Genießen als Ausruhen hinzunehmen! So erst wahrer Genuß!

Wir werden am härtesten für unsere Tugenden bestraft.

Der Mensch macht eine Handlung werthvoll: aber wie sollte die Handlung den Menschen werthvoll machen!

Es ist kühl, der Mond scheint, keine Wolke steht am Himmel,—es lohnt sich nicht zu leben.

16 [89]

Zarathustra 3 Anfang. Recapitulation. Du willst den Übermenschen lehren—aber du hast dich in deine Freunde und dich selber verliebt und aus dem Leben ein Labsal gemacht. Die glückseligen Inseln verweichlichen dich—nun wirst du trübe und leidenschaftlich und schiltst auf deine Feinde. Anzeichen der Schwäche: du weichst einem Gedanken aus.

Aber du sollst die Welt überreden und den Menschen überreden, sich zu zertrümmern.

(Der Reformator in seiner eigenen Gemeinde erschlaffend: seine Feinde sind nicht stark genug. So muß sein größter Feind entstehn, ein Gedanke.

Der Gedanke als Einwand gegen das Leben und Fortleben)

16 [90]

Reue: das ist Rache an sich selber.



und diesen Rath rathe ich meinen Feinden und allen Spuckern und Speiern:



als der Lehrer der großen Verachtung (Im Vorletzten)

Wie ertrüge ichs sonst, euch die große Verachtung zu lehren? —

From Nietzsche's Notebooks© The Nietzsche Channel