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Nietzsches Briefe

1885

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Elisabeth Nietzsche.
Ca. 1882.
From b/w photo by:
Louis Held, Weimar.
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Nizza, Mitte März 1885:
Brief (Entwurf) an Elisabeth Nietzsche.

Als ich deinen Brief1 las, kam mir wieder einmal zum Bewußtsein, weshalb mich einige feinere Köpfe in Deutschland für irrsinnig halten oder gar erzählen, ich sei im Irrenhaus gestorben.2 Ich bin viel zu stolz als je zu glauben, daß ein Mensch mich lieben könne: dies würde nämlich voraussetzen, daß er wisse, wer ich bin. Ebensowenig glaube ich daran, daß ich je Jemanden lieben werde: das würde voraussetzen, daß ich — einmal — Wunder über Wunder! — einen Menschen meines Ranges fände — Vergiß nicht, daß ich solche Wesen wie Rich[ard] W[agner] oder A. Schopenhauer3 eben so sehr verachte als tief bedaure und daß ich den Stifter des Christenthums als oberflächlich empfinde im Vergleich mit mir ich habe sie alle geliebt, als ich noch nicht begriff, was der Mensch ist.

Es gehört zu den Räthseln, über die ich einige Male nachgedacht habe, wie es möglich ist, daß wir blutsverwandt sind. — Was mich beschäftigt, bekümmert, erhebt, dafür habe ich nie einen Mitwisser und Freund gehabt! es ist Schade, daß es keinen Gott giebt, damit es doch Einer wüßte. — So lange ich gesund bin, habe ich guten Humor genug, um meine Rolle zu spielen und mich vor aller Welt darunter zu verstecken zb. als Basler Professor. Leider bin ich sehr viel krank, und dann hasse ich die Menschen, welche ich kennen gelernt habe, unsäglich, mich eingerechnet. —

Meine liebe Schwester, das Wort unter uns — und Du darfst den Brief hinterdrein verbrennen. Wenn ich nicht ein gut Stück von einem Schauspieler wäre, so hielte ich’s nicht eine Stunde aus, zu leben.

Für Menschen, wie ich bin, giebt es keine Ehe: es sei denn im Stile unseres Goethe.4 Ich denke nicht daran, je geliebt zu werden.

Wenn ich Dir sehr gezürnt habe, so ist es, weil Du mich zwangst, die letzten M[enschen]5 aufzu[ge]ben, mit welchen ich ohne Tartüfferie sprechen konnte. Jetzt — bin ich allein.

mit denen ich ohne Maske von den Dingen reden konnte, die mich interessiren. Was sie von mir dachten und hielten, war mir sehr gleichgültig. — Jetzt bin ich allein.

Verbirg diesen Brief unserer Mutter und — — —

Es scheint mir, daß ein Mensch, bei dem allerbesten Willen, unsäglich viel Unheil anstiften kann, wenn er unbescheiden genug ist, denen nützen zu wollen, deren Geist und Wille ihm verborgen ist.

Um ein Beispiel zu nehmen: die gute Malvida hat ihr ganzes Leben nichts als Unheil angestiftet, Dank jener eben genannten Unbescheidenheit.

Sei mir eines solchen Briefs wegen nicht böse! Es liegt mehr Artigkeit darin, als wenn ich wie gewohnt, eine Komödie spiele.

Du weißt, daß ich von den Franzosen dieses Jahrhunderts Henri Beyle (Stendhal)6 am liebsten habe. Von seinen Schülern ist bei weitem der einflußreichste Taine:7 um Dir einen Begriff von ihm zu geben, sende ich Dir seinen M. Graindorge,8 ein Buch, das für meinen Geschmack etwas zu harmlos ist, aber vielleicht um so mehr geeignet ist, dir einen günstigen Begriff von seinem Verfasser zu geben.

1. See fragment of a mid-March 1885 letter from Elisabeth Nietzsche.
2. Cf. Arthur Egidi, "Gespräche mit Nietzsche im Parsifaljahr 1882. Tagebuchblätter von Arthur Egidi." In: Die Musik. Illustrierte Halbmonatsschrift. 1, Juliheft 1902: 1894. "Nietzsche kam dann auf sein eigenes Schaffen zu sprechen und fragte: 'Welche Wirkung brachte in der Berliner Presse die "Geburt der Tragödie" hervor?' // Diese Frage war mir etwas peinlich, denn die mir bekannten Berliner Kritiken waren gegensätzlich, zudem hatte sich, als er von Basel fortging, in Berlin die irrtümliche Nachricht von seinem Tode verbreitet, und Gustav Engel hatte ihm sanft nachgerufen: 'Der ist an Wagner gestorben.'" (Nietzsche then addressed his own work and asked: "What impact did 'The Birth of Tragedy' have on the Berlin press? // This question was a little embarrassing, because the Berlin reviews I knew of were adversarial, moreover, when he left Basel, erroneous reports of his death were disseminated in Berlin, and Gustav Engel had made the gentle obituary: "He died of Wagner.") Also see Gottfried Keller's remarks related by Robert Freund, a pianist and composer who studied under Franz Liszt. Freund recounts Nietzsche's meeting with Keller in September 1884: "Nietzsche, der Keller sehr verehrte, ihn aber noch nicht persönlich kannte, sagte mir einmal, daß er Keller am nächsten Vormittag besuchen werde. Nachdem der Besuch stattgefunden, ging ich am Nachmittag mit Nietzsche spazieren und frug ihn, wie es bei Keller gewesen sei. Es sei sehr nett gewesen, antwortete Nietzsche, nur entsetzte ihn das entsetzliche [sic] Deutsch, das Keller spreche und die mühsame Art, mit der sich der große Schriftsteller mündlich ausdrücke. Am nächsten Sonntag frug ich dann Keller, ob Herr Nietzsche ihn besucht habe. Keller bejahte und setzte hinzu: 'ich glaube, dä Kerl ischt verruckt.'" (Nietzsche, who greatly admired Keller, but still didn't know him personally, once told me that he would be going to Keller's the next morning. After the visit took place, I went for a walk with Nietzsche in the afternoon and asked him how it went with Keller. It was very nice, Nietzsche answered, only he was appalled by the terrible German that Keller spoke, and the laborious way the great writer expressed himself orally. The next Sunday, I asked Keller whether Herr Nietzsche had visited him. Keller said yes, and added: "I think the guy is crazy.") Cf. Robert Freund, "Memoiren eines Pianisten." In: Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft. Bd. 139. Zürich: Hug, 1951.
3. Arthur Schopenhauer (1788-1860): German philosopher. See his entry in Nietzsche's Library.
4. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), who eventually married Christiane Vulpius, a non-literate seamstress.
5. Lou Salomé and Paul Rée.
6. Henri Beyle (1783-1842), who wrote under the name Stendhal. See his entry in Nietzsche's Library.
7. Hippolyte Taine (1828-1893): French historian and critic. See his entry in Nietzsche's Library.
8. Hippolyte Taine, Vie et opinions de Monsieur Frédéric Thomas Graindorge. Paris: Hachette, 1867.

 


Heinrich von Stein.
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Nizza, Mitte März 1885:
Brief (Entwürfe) an Heinrich von Stein.

Diesen Winter bekommt man keine Briefe von mir, ich bin augenleidend, in einem Grade, daß ich fürchte, eines Tages und ganz plötzlich, blind zu sein — Dies sage ich nur, um mich zu entschuldigen, dafür daß ich auf Ihren Brief so spät antworte. — Mein werther Freund, Sie wissen nicht, wer ich bin, noch was ich will. Mein Vortheil ist es, zuzusehen, was Andere thun und wollen, ohne selber dabei erkannt zu werden. — Ich weiß sehr gut, daß Ihre Liebe und Verehrung für R[ichard] W[agner] zu groß ist, als daß Sie einen M[enschen] erkennen könnten, der grundsätzlich von ihm verschieden ist. Was würden Sie von mir denken, wenn ich sagte, daß ich R[ichard] W[agner] eben so sehr tief bedaure als verachte? Sie würden denken, ich sei verrückt. Es ist mein Loos, mich nur unter Masken zu zeigen, ich bin sehr ehrlich gegen Sie, Ihnen so viel von mir zu verrathen. —

Dies unter uns

Ihr ergebenster
N

Sie gefallen mir sehr: nur sollten Sie ernsthaft Dichter und schlechterdings nicht Aesthetiker und Philosoph sein wollen.

Was R[ichard] W[agner] anbetrifft, von dem Ihr Brief redet: so gehört er zu den Menschen, welche ich am meisten geliebt und auch am meisten bedauert habe. Doch liegt es mir ferne, mich je mit ihm zu verwechseln oder zu vergleichen: er gehört einer ganz anderen Ordnung von Menschen an — und am letzten wohl zu den großen Schauspielern —

Es ist schwer zu erkennen, wer ich bin: warten wir 100 Jahre ab: vielleicht giebt es bis dahin irgend ein Genie von Menschenkenner, welches Herrn F. N. ausgräbt. — Im Übrigen — unter uns gesprochen — habe ich Gründe vorsichtig zu sein und Schritt für Schritt zu thun. Schon diesen 4ten Z[arathustra] habe ich nicht mehr der Öffentlichkeit anvertraut.

Dies Werk — es braucht Ihnen nicht zu gefallen, Sie sollen sich ja keinen Zwang anthun! Werke dieser Art sind sehr anspruchsvoll, sie wollen Zeit. Da muß erst die Autorität von Jahrhunderten dazu kommen, daß so Etwas recht gelesen wird. Einstweilen — — —

Ich will bei Gelegenheit einmal den deutschen Musikern die Leviten darüber lesen, was sie von W[agner] zu lernen und zu verlernen haben — sonst bleibt auch in der Geschichte der Musik W[agner] schließlich wie ein großer Thunichtgut übrig

Was aber gar das Reich der Erkenntniß angeht — um des Himmels Willen, wo haben Sie Ihre Augen — was hat da dieses Genie der deutschen Unklarheit zu schaffen, der Nichts ordentlich gelernt und Alles durcheinander gemantscht hat, Pardon und — — —

Soll denn dieses Genie der deutschen Unklarheit auch noch nach seinem Tode fortfahren Unfug zu stiften? Sie mir in einem trüben Winter unter Freunden mit dem W[agner] L[exikon]1 beschäftigt zu denken — nein, dabei jammert’s mich und ich gedenke meiner eigenen elenden Zeiten, als ich jung war. Lesen Sie doch zur Wiederher[stellung] etwas Stärkend[es] und Herzerh[e]bend[es], lesen Sie Montaigne2 — falls Sie zu meinem eigenen, freilich gefährlich starken Wein keinen Durst haben, und noch nichts von besseren Büchern wissen.

Ihnen als dem Verfasser des Wagner-Lexikons! in das ich inzwischen auch ein Mal hineingeblickt habe — und daß ichs ausspreche, mit einem unsäglichen Abscheu vor diesem anmaaßlichen Gefasel über jeglich Ding. "Man soll diesen Sumpf nicht aufrühren" ,3 sagte der Syrakusaner — —

1. Heinrich von Stein, Carl Friedrich Glasenapp, Wagner-Lexikon. Hauptbegriffe der Kunst- und Weltanschauung Richard Wagner's in wörtlichen Anführungen aus seinen Schriften zusammengestellt. Stuttgart: Cotta, 1883.
2. Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592): French moralist. See his entry in Nietzsche's Library.
3. "Don't stir up Karmarina." A Greek saying meaning "leave it alone." Karmarina was the pestilent swamp near Syracuse. Cf. The Case of Wagner. Postscript: "Der Wagnerianer nennt zuletzt rhythmisch, was ich selbst, mit einem griechischen Sprüchwort, 'den Sumpf bewegen' nenne." (What the Wagnerian calls rhythmical is what I call, to use a Greek metaphor, "stirring a swamp.")

 

Malwida von Meysenbug.
1880.
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Nizza, 26. März 1885:
Brief an Malwida von Meysenbug.

Verehrte Freundin,

Sie wundern sich darüber, daß ich Ihnen gar nicht mehr schreibe? Ich wundere mich gleichfalls darüber; aber immer, wenn ich mich dazu anschickte, legte ich endlich die Feder wieder weg. Wüßte ich die Gründe dafür genau, so würde ich mich nicht mehr wundern, aber — vielleicht betrüben.

Es gieng mir nicht gut, den ganzen Winter (die trockne Luft fehlte mir, dank den Abnormitäten dieses Jahrs), und als Ihr gütiger Brief zu mir kam, lag ich zu Bett, sehr leidend. Aber das ist eine alte Geschichte, und im Grunde bin ich’s satt, Briefe über meine Gesundheit zu schreiben. "Helfen" — wer könnte mir helfen! Ich selber bin bei weitem mein bester Arzt. Und das Positivum, daß ich's aushalte und meinen Willen durchsetze unter viel Widerständen, ist mein Beweis dafür.

Es war den Winter über ein Deutscher1 um mich, der mich "verehrt": ich danke dem Himmel, daß er fort ist! Er langweilte mich, und ich war genöthigt, so Vieles vor ihm zu verschweigen. Oh über die moralische Tartüfferie aller dieser lieben Deutschen! Wenn Sie mir einen Abbé Galiani2 in Rom versprechen könnten! Das ist ein Mensch nach meinem Geschmack. Ebenso Stendhal.3 — Was Musik angeht: so habe ich letzten Herbst gewissenhaft und neugierig die Probe gemacht, wie ich jetzt zu R. Wagner's Musik stehe. Was mir diese wolkige, schwüle, vor allem schauspielerische und prätentiöse Musik zuwider ist! So sehr zuwider als — als — als — tausend Dinge, zum Beispiel Schopenhauer's4 Philosophie. Das ist Musik eines mißrathenen Musikers und Menschen, aber eines großen Schauspielers — darauf will ich schwören. Da lobe ich mir die tapfere und unschuldige Musik meines Schülers und Freundes Peter Gast, eines ächten Musikers: der mag einmal für seinen Theil dafür sorgen, daß die Herrn Schauspieler und Schein-Genies nicht mehr zu lange den Geschmack verderben. — Der arme Stein! Er hält R. Wagner sogar für einen Philosophen!

Warum rede ich davon? Es ist nur, daß ich Ihnen irgend ein Beispiel gebe. Es ist der Humor meiner Lage, daß ich verwechselt werde — mit dem ehemaligen Basler Professor Herrn Dr. Friedrich Nietzsche. Zum Teufel auch! Was geht mich dieser Herr an! —

Sehen Sie, meine verehrte Freundin, das ist ein Brief "unter vier Augen."

Ende dieses Monats kommt Herr Dr. Förster5 nach Naumburg, von der Liebe beschleunigt, nämlich um einen Monat früher als es die Vernunft seiner Land-Studien wollte. Was ich froh bin über diese Wendung! Und wie ich hoffe, damit für die Zukunft einer ganz lebensgefährlichen Art von Folterung enthoben zu sein, welche diese letzten Jahre über mich verhängt war! —6

Geben Sie mir doch die Adresse jenes Klosters! Es könnte sein, daß ich vielleicht im Herbst einmal den Versuch mit Rom mache, vorausgesetzt, daß ich incognito dort leben kann, und meiner Einsiedler-Natur nichts Widernatürliches zugemuthet wird.

Sie wissen doch, wie sehr ich Ihnen zugethan bin?

Ihr
N.

Ich liebe diese Küste nicht, ich verachte Nizza, aber im Winter hat es die trockenste Luft in Europa.

1. Paul Lanzky (1852-a. 1940): German poet and former editor of La Rivista Europea. See his entry in Nietzsche's Library.
2. Ferdinando Galiani (1728-1787). See his entry in Nietzsche's Library.
3. Henri Beyle (1783-1842), who wrote under the name Stendhal. See his entry in Nietzsche's Library.
4. Arthur Schopenhauer (1788-1860): German philosopher. See his entry in Nietzsche's Library.
5. Nietzsche cannot disguise his glee over the removal from his life of Elisabeth Förster-Nietzsche and her anti-Semitic fiancé Bernhard Förster.
6. Elisabeth Förster-Nietzsche had this entire paragraph redacted in her publications of Nietzsche's letters.

 



Heinrich Köselitz (Peter Gast).
Ca. 1890.
From b/w photo by Fritz Schumann.
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Nizza, 30. März 1885:
Letter to Heinrich Köselitz.

Lieber Freund,

seltsam! Ich erinnere mich gar nicht mehr, daß ich jemals eine Reise nach einem Orte hin mit Vergnügen unternommen hätte. Aber diesmal: — zu denken, daß ich bald in Venedig1 und bei Ihnen sein werde, erquickt mich, entzückt mich, es ist wie die Hoffnung auf Genesung bei einem lange und geduldig Kranken. Dabei habe ich entdeckt, daß Venedig mir bisher allein gefallen und wohlgethan hat: oder vielmehr, ich sollte ganz andre (und bescheidenere) Ausdrücke gebrauchen. Als Landschaft ist mir Sils-Maria verwandt (leider nicht als Ort) — wüßte ich nur, wie ich dort mir eine würdige Einsamkeit und Einsiedlerschaft erhalten könnte! Aber — es kommt in Mode!

Sie selber aber, mein lieber Freund und maestro, gehören einstweilen für mich wesentlich zu Venedig, und im Grunde höre ich nichts lieber, als daß Sie dieser Stadt noch nicht müde sind. Wie Viel habe ich neuerdings an Sie und über Sie gedacht!

Sogar, als ich in den mémoires des alten De Brosses (1739-40) über Venedig las und über den damals berühmtesten maëstro, nämlich Hasse (il detto "Sassone").2 Sein Sie nicht böse, es liegt mir ferne, unehrerbietige Vergleichungen zu machen.

An Malvida schrieb ich dieser Tage, Herr Peter Gast werde für seinen Theil dafür sorgen, daß die Herrn Schauspieler und Schein-Genies der Musik nicht mehr lange den Geschmack verderben. "Nicht mehr lange" — das ist vielleicht eine große Übereilung. In einem demokratischen Zeitalter ist das Schöne jeder Art Eigenthum Weniger: pulchrum paucorum est hominum.3 Ich freue mich, in Ihrem Falle ein "Weniger" zu sein. Die Menschen, die tief und lustig genug für mich sind, mit âmes mélancholiques et folles, gleich meinen verstorbenen Freunden Stendhal4 und Abbé Galiani,5 haben es auf Erden nicht aushalten können ohne die Liebe zu einem Musiker des Glücks (Galiani nicht ohne Piccini,6 und Stendhal nicht ohne Cimarosa und Mozart)

Ah, wenn Sie wüßten, wie allein ich jetzt auf der Welt bin! Und wie viel Komödie noth thut, um nicht, hier und da, aus Überdruß, irgend Jemandem in's Gesicht zu spucken! Glücklicher Weise ist etwas von den höflichen Manieren meines Sohnes Zarathustra auch in seinem verrückten Vater vorhanden.

Wenn ich aber zu Ihnen und nach Venedig komme, hat es, für eine Zeit lang, einmal mit der "Höflichkeit" und der "Komödie" und dem "Überdruß" und der ganzen verfluchten Nizza-haftigkeit ein Ende — nicht wahr, mein werther Freund?

Nicht zu vergessen: es werden wieder "bajicoli"7 gegessen!

Von Herzen
Ihr N.

NB. Ich will hier die Beendigung des Drucks abwarten.

1. Nietzsche arrived in Venice on April 10.
2. Cf. Charles de Brosses, L'Italie il y a cent ans ou lettres écrites d'Italie a quelque amis en 1739 et 1740. Vol. 2. Paris: Levavasseur, 1836, 348.
3. Cf. explanatory note of Heinrich Köselitz. In: Friedrich Nietzsches Gesammelte Briefe. Vierter Band. Friedrich Nietzsches Briefe an Peter Gast. Hrsg. von Peter Gast. Leipzig: Insel Verlag, 1908, 475.
4. Henri Beyle (1783-1842), who wrote under the name Stendhal. See his entry in Nietzsche's Library.
5. Ferdinando Galiani (1728-1787). See his entry in Nietzsche's Library.
6. See Galiani's references to Piccini in vol. 1 and vol. 2 of Ferdinando Galiani, Lettres de l'Abbé Galiani à Madam d'Épinay, Voltaire, Diderot, Grimm, le Baron d'Holbach, Morellet, Suart, D'Alembert, Marmontel, la Vicomtesse de Belsunce, etc. Publiées d'après les Éditions originales augmentées des variantes, de nombreuses notes et d'un index avec notice biographique par Eugène Asse. Édition couronnée par l'Académie française. Tomes 1-2. Paris: G. Charpentier, 1882.
7. Cf. explanatory note of Heinrich Köselitz. In: Friedrich Nietzsches Gesammelte Briefe. Vierter Band. Friedrich Nietzsches Briefe an Peter Gast. Hrsg. von Peter Gast. Leipzig: Insel Verlag, 1908, 475.

 



Franz Overbeck.
Basel, 1885.
From b/w portrait.
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Nizza, 31. März 1885:
Brief an Franz Overbeck.

Alles ist glücklich in meinen Händen,1 ich danke Dir, lieber alter Freund, für alle diese Sorge und Sorgfalt um mich. Du schreibst nichts von Deiner und Deiner lieben Frau Gesundheit: ich nehme es als ein gutes Zeichen, daß Ihr diesen sonderbaren Winter glücklicher bestanden habt als ich. Für mich gab es viel Überwindung, viel kranke Tage. Mit den Augen steht es immer bedenklicher. Die Mittel Schiessens2 haben nichts geholfen. Seit vorigem Sommer ist eine Wendung eingetreten, die ich nicht verstehe. Flecken, Verschleierung, auch Thränenfluß. Ich darf schwerlich wieder nach Nizza: die Gefahr, überfahren zu werden, ist hier zu groß. Bei Tische hat man mir immer vorlegen müssen, ich mag bei diesem Zustande nicht mehr in Gesellschaft essen.

Es ist wahrscheinlich, daß ich mir die Reise nach dem Norden3 erspare, die Gefahren und Aufregungen des Allein-Reisens sind jetzt zu groß für mich geworden. — Dr. Förster ist aus Paraguay4 zurückgekehrt, großer Jubel in Naumburg. Vielleicht entsteht aus der Verheirathung meiner Schwester auch für mich Etwas Gutes: sie wird die Hände voll zu thun haben und Jemanden besitzen, dem sie völlig vertrauen darf und dem sie wirklich nützen kann: was Beides, bisher, in Bezug auf mich, nicht immer möglich war.

Vom Prozeß contra Schm[eitzner] höre ich nichts Neues.5 Er hatte sich selber zuletzt den ersten Januar als Termin gesetzt, aber ihn wieder, wie früher, verstreichen lassen, ohne "Mucks." — Was ich am meisten wünsche, meine 3 ersten Theile Zarathustra ihm aus den Händen und damit aus der "Publicität" zu ziehn, läßt sich vielleicht erreichen.

Natürlich habe ich für den vierten Z[arathustra] keinen Verleger gefunden. Nun, ich bin’s zufrieden und genieße es sogar als ein neues Glück. Wie viel Scham war immer, bei allen meinen Publicationen, für mich zu überwinden! Wenn ein Mensch, wie ich, die Summe eines tiefen und verborgenen Lebens zieht, so gehört dergleichen vor die Augen und Gewissen der ausgesuchtesten Menschen. Genug, es hat Zeit. Mein Verlangen nach Schülern und Erben macht mich hier und da ungeduldig und hat mich, wie es scheint, in den letzten Jahren sogar zu Thorheiten6 verleitet, welche lebensgefährlich waren. Zuletzt bringt mich das ungeheure Schwergewicht meiner Aufgabe7 immer wieder zum Gleichgewicht: und ich weiß ganz gut, was zuerst und zunächst allein Noth thut. —

Ich las jetzt, zur Erholung, die Confessionen des h[eiligen] Augustin,8 mit großem Bedauern, daß Du nicht bei mir warst. Oh dieser alte Rhetor! Wie falsch und augenverdreherisch! Wie habe ich gelacht! (zb. über den "Diebstahl"9 seiner Jugend, im Grunde eine Studenten-Geschichte.) Welche psychologische Falschheit! (zb. als er vom Tode seines besten Freundes10 redet, mit dem er Eine Seele gewesen sei, "er habe sich entschlossen, weiter zu leben, damit auf diese Weise sein Freund nicht ganz sterbe."11 So etwas ist ekelhaft verlogen.) Philosophischer Werth gleich Null. Verpöbelter Platonismus, das will sagen, eine Denkweise, welche für die höchste seelische Aristokratie12 erfunden wurde, zurecht gemacht für Sklaven-Naturen. Übrigens sieht man, bei diesem Buche, dem Christenthum in den Bauch: ich stehe dabei mit der Neugierde eines radikalen Arztes und Physiologen. —

Über das plötzliche Verschwinden unsres "rückfälligen" Musikers,13 der auch mich mit einer Karte14 consternirte, war ich böse. Zuletzt hilft es nichts, ich muß wieder, wie voriges Jahr, nach Venedig und zusehn, woran es eigentlich fehlt.15 Wir wollen übrigens billig sein: er führt seit Jahren, eine unwürdige Hunde-Existenz als Notenschreiber, was Wunder, wenn er einmal aus der Haut fährt! Das Abschreiben ungeheurer Partituren, das Machen von Klavierauszügen, in den produktivsten Jahren eines produktiven Menschen, wo etwas ganz Anderes noth thut, ist für mich ein Jammer. So schlecht hat es R. Wagner nicht gehabt, und selbst Herr Bungert16 beschäftigt zu solchen Zwecken andre Musiker und Notenschreiber. Es fehlt Geld — voilà tout! Und deshalb muß dieser "Löwe von Venedig"17 erst öffentlich brüllen. Und ich will thun, was ich kann.

Über die Maaßregel des Fl. v. Salis habe ich gelacht. Das gehört unter die Feinheiten der agents provocateurs: sie wollte genau Das, was sie erreicht hat, eine Abweisung, um daraus für die "Agitation" Capital zu schlagen.18

Mich Dir und Deiner lieben Frau zu freundlichem Angedenken empfehlend immer Dein

F. N.

1. Overbeck sent Nietzsche his pension.
2. Nietzsche's opthamologist and colleague at Basel, Johann Heinrich Schieß-Gemuseus (1833-1914).
3. To visit Naumburg for the marriage of his sister and Bernard Förster, which took place on May 22.
4. Bernhard Förster's was planning his disasterous Paraguayan settlement, "Nueva Germania."
5. Ernst Schmeitzner had fallen into financial misfortune through his anti-Semitic dealings and agitation. From the onset of their relationship, Nietzsche had allowed Schmeitzner to invest his savings (in government bonds), but this arrangement was short-lived, as it appears Schmeitzner invested in long-term real estate schemes, and probably in anti-Semitic enterprises. When Schmeitzner failed to fulfill Nietzsche's request to redeem his savings, a long drawn-out negotiation and legal wrangling occurred. Schmeitzner finally paid off his debt with the assistance of his father. For further information, see William H. Schaberg, "The Lawsuit against Schmeitzner." In: The Nietzsche Canon. Chicago: Univ. of Chicago Press, 1995, 109-119.
6. An allusion to his relationship with Lou Salomé.
7. Nietzsche's "Umwertung aller Werthe" (revaluation of all values).
8. Confessiones, the autobiography of St. Augustine (Aurelius Augustinus, 354-430). It is not known which edition Nietzsche read.
9. Cf. Confessiones 2:3-10.
10. Cf. Confessiones 4:4-6.
11. Cf. Confessiones 4:6.
12. Cf. Jenseits von Gut und Böse (Beyond Good and Evil), §14.
13. Heinrich Köselitz.
14. 03-12-1885 postcard from Heinrich Köselitz.
15. Nietzsche stayed with Köselitz in Venice from the end of April to the end of June 1884.
16. The German composer August Bungert (1845-1915), with whom Nietzsche formed a friendship while in Genoa in 1883. See Nietzsche's 03-14-1883 poem dedicated to Bungert.
17. Köselitz's opera, "Il matrimonio segreto" (The Secret Wedding), renamed, per Nietzsche's suggestion, "Der Löwe von Venedig" (The Lion of Venice). For more information on Köselitz, see Frederick R. Love's gem, Nietzsche's Saint Peter. Genesis and Cultivation of an Illusion. Berlin; New York: de Gruyter, 1981. [Series: Band 5. Monographien und Texte zur Nietzsche-Forschung.]
18. On July 10, 1874, Nietzsche supported the admission of a woman named Rubinstein into the Ph.D. program at Basel. The motion failed 6-4, with Jacob Burckhardt among those voting against it (cf. Curt Paul Janz, Friedrich Nietzsche Biographie, 1:625). Eleven years later, when Meta von Salis wanted to be admitted to Jakob Burckhardt's lectures at Basel, Burckhardt supported her admission, which failed. Women finally gained admission to Basel in 1890.

 


Title page:
Also sprach Zarathustra. IV.
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Venezia, 7. Mai 1885:
Brief an Franz Overbeck.

Sehr erbaut durch Deinen Brief1 und sehr beruhigt: denn mitunter kam mir der Verdacht, Du möchtest gar den Verfasser des Z[arathustra] für übergeschnappt halten.2 Meine Gefahr ist in der That sehr groß, aber nicht diese Art Gefahr: wohl aber weiß ich mitunter nicht mehr, ob ich die Sphinx bin, die fragt, oder jener berühmte Oedipus, der gefragt wird — so daß ich für den Abgrund zwei Chancen habe.3 Das geht nun seinen Gang. —

Der übersandte Brief aus Holland, von einem alten Herrn van Eeden, Direktor des Colonialmuseums in Haarlem,4 war einer jener "Huldigungsbriefe," bei denen ich immer mich frage: ob diese selbe Gattung von Menschen, wenn sie mit Einem Male erführen, was ich langsam, langsam vorbereite, mich nicht wie den Tod hassen würden. — Mir ist auch diese Art von Freuden seit langem vergällt. — Mit den Augen steht es hier noch schlimmer als in Nizza; ich habe nach einer erträglichen Wohnung gesucht und gesucht und nichts gefunden, — in solchen Dingen kann mir auch unser K[öselitz] nicht recht rathen und zu Hülfe kommen. Er ist ein ungeschickter Mensch, mit dem man seine Noth hat; und zum Verkehre nicht gemacht, — aber deshalb mir nicht weniger lieb. In seinen eignen Sachen zeigt er sich ebenso gedankenlos und ungeschickt wie in fremden. Er war so ziemlich entschlossen, sein Werk5 nach Berlin an Hrn. v. Hülsen6 zu schicken: es kam mir vor wie ein Mittel, wieder lange Zeit nichts davon hören zu müssen. Ich rede ihm zu, den ganz fertigen (prachtvoll gerathenen) Klavierauszug an jenen Musikverleger und ehemaligen Virtuosen Ries7 (bei Dresden) zu schicken; der will ihm wohl und ist, namentlich wenn er den Klavierauszug druckt, am besten geeignet, zwischen Bühnen und dem Componisten zu vermitteln, — es ist ein sehr erfahrener und bekannter Mann. — An der Musik selber und ihrer Mozartischen Idealität kann ich mich nicht satt hören; es mag aber sein, daß ich dergleichen Musik nöthiger habe als Andre, und insofern auch weniger befähigt bin, ihren Werth festzusetzen. — Einen ganz überraschenden Erfolg hatte ich jüngst, durch einen Brief des Herrn Lanzky:8 ich hatte gemeint, die Bemühung um ihn, und im Grunde damit dieser Winter in Nizza, sei umsonst gewesen, wie andre Bemühungen meinerseits — aber siehe, es kam anders. Er schrieb wie ein umgedrehter Mensch, von seinem "Pessimismus" befreit und zu einem ganz ernsthaften wissenschaftlichen Leben entschlossen (ob er schon nicht mehr jung ist). Alles hatte sich verbessert, selbst die Handschrift; er schrieb sehr dankbar. — Den "Kampf um Gott"9 habe ich nicht gesehn und mag ihn einstweilen nicht sehn; man bezeugt der Verfasserin, von sehr verschiedenen Seiten her, Respekt. Und wenn Deine liebe Frau auf Grund dieser Art Mémoires und Halb-Roman dem Frl. S[alomé] wieder eine etwas günstigere Beurtheilung gönnt, so soll es mir von Herzen lieb sein; zuletzt hat sie genau das ausgeführt, was ich von ihr in Tautenburg gewünscht habe.10 Im Übrigen hole sie der Teufel! — Den 22. Mai ist die Hochzeit meiner Schwester, Du verstehst das Datum.11 Es ist mir der Wunsch ausgedrückt worden (bei meiner Anfrage, womit ich im Stande sei, eine Art "Hochzeitsgeschenk" zu machen), daß jenes Dürer’sche Blatt "Ritter Tod und Teufel," welches in Deinen Händen ist, mit diesen beiden Auswanderern als ein werthvolles und tapferes Wahrzeichen, in ihre neue ferne Heimat12 wandern solle. Es thut mir eigentlich gründlich wehe, es aus Deinen Händen zu nehmen, denn zuletzt hast Du solcher Trostmittel ebenso nöthig als irgend welche Auswanderer, als ein Seefahrer und Vereinsamter auf Deine Art. Vielleicht aber ist es für Deinen Geschmack zu düster: und so sende es, wenn es Dir gefällt, an meine Schwester ab.—

Mein Prozeß gegen Schmeitzner13 hat, wie ich eben höre, eine überraschende Wendung gemacht: Vater Schmeitzner14 ist als Bürge eingetreten, und im Juni sollen die 5600 Mark ausgezahlt werden. Da will ich denn zunächst den Druck meines 4ten Z[arathustra] bezahlen. Er ist als Finale gemeint: lies nur einmal die "Vorrede" des ersten Theils. Der Titel den ich Dir zuerst schrieb, war eine "Condescendenz" an die Herrn Verleger, welche absolut keine "vierten Theile" verlegen wollen, wenn sie nicht die drei vorher haben.

Meine herzlichsten Grüße an Deine liebe Frau, und wer sonst in Basel mir wohl will. (Ausdrücklich bemerkt: ich habe weder Burckhardt, noch irgendwem in Basel ein Exemplar geschickt — verschweigen wir, bitte, das Factum, daß ein 4ter Theil existirt.

Dankbar ergeben
Dein Freund N.

Adresse dieselbe wie Köselitzens:
    Venezia, San Canciano calle nuova 5256.

1. The letter has not survived.
2. See note above.
3. Oedipus solved the riddle of the Sphinx, who threw herself into the abyss.
4. Frederik Willem van Eeden (1829-1901; biography): Dutch botanist, florist, director of the Colonial Museum in Haarlem, and an admirer of Schopenhauer. See his 02-20-1885 letter to Nietzsche.
5. Köselitz wanted to send his opera, "Il matrimonio segreto" (The Secret Wedding), which by now, per Nietzsche's suggestion, was entitled "Der Löwe von Venedig" (The Lion of Venice). For more information on Köselitz, see Frederick R. Love's gem, Nietzsche's Saint Peter. Genesis and Cultivation of an Illusion. Berlin; New York: de Gruyter, 1981. [Series: Band 5. Monographien und Texte zur Nietzsche-Forschung.]
6. Botho von Hülsen (1815-1886): director of the Royal Opera in Berlin.
7. Franz Ries (1846-1932): violinist, composer, and music publisher.
8. Paul Lanzky (1852-a. 1940): German poet and former editor of La Rivista Europea. See his entry in Nietzsche's Library.
9. Henri Lou [Lou Salomé], Im Kampf um Gott. Von Henri Lou. Leipzig; Berlin: Friedrich, 1885.
10. See correspondence from 1882.
11. She married the anti-Semite agitator Bernhard Förster.
12. Bernhard Förster's disasterous Paraguayan settlement, "Nueva Germania."
13. Nietzsche's lawsuit against Ernst Schmeitzner.
14. Ernst Schmeitzner's father, Carl Gottlob Schmeitzner.

 


Franz Overbeck.
Basel, ca. 1880.
From b/w photo by Jacob Höflinger.
Colorized image ©The Nietzsche Channel.

Sils Maria, 2. Juli 1885:
Brief an Franz Overbeck.

Lieber alter Freund Overbeck,

es beunruhigt mich, nichts von Dir zu hören; und zum Mindesten will ich wünschen, daß Deine Gesundheit nichts mit diesem Schweigen zu thun hat — obwohl die Hitze dieses Jahres und ebenso die Erinnerung an die schlechte lähmende Luft Basels, wie ich sie im vorigen Juni1 wieder kennen gelernt habe, mir auch nach dieser Seite hin besorgliche Gedanken eingiebt. Als ich hier oben ankam, war eine meiner ersten Handlungen, nach Deinem "Teichmüller" zu suchen; leider ergab er sich als absens — woraus folgt, daß er in der Nizza-Bücherkiste steckt: was ich hiermit, zu meinem großen Bedauern, Dir melde.2 Dagegen habe ich hier, aus Deinem Bücherschatze, den Mainländer.3 Großen Dank noch für die Übersendung des Dürers an meine Angehörigen: man hat mir so sehr dafür gedankt, daß ich glauben muß, damit weit über den Begriff "Hochzeitsgeschenk" hinausgeschossen zu haben.4 Möge aber die Zukunft des jungen Paars sich tröstlicher und hoffnungsvoller gestalten als dies unheimliche Bild zu verstehen giebt! Unter uns, ich habe viele Besorgnisse auf dem Herzen —, allerdings auch einige sonderbare Wünsche, gerade was diese neue Welt in Paraguay betrifft.5 Es kann im Handumdrehen jetzt für mich Europa unmöglich werden; und siehe da, vielleicht findet sich dort in der Ferne auch für einen solchen verflogenen Vogel, wie ich es bin, ein Ast. (Wie geschrieben steht: "so häng ich denn auf krummem Aste" usw.6)

Hier oben habe ich wieder die gleiche, mir sehr zugethane Gesellschaft des vorigen Jahres; zwei sonst in Genf lebende distinguirte Engländerinnen7 und jene alte Dame8 vom russischen Hofe, von der ich schrieb, daß sie eine der nächsten Schülerinnen Chopin’s ist: — ihr Verhältniß zur Musik ist kein Spaaß, noch im letzten Monate hat sie eine tüchtige strenge Fuga componirt. Nun ist in meiner Gesellschaft eine deutsche Dame aus Meiningen,9 welche auf eine briefliche Einladung meinerseits hierher gekommen ist und mir, durch Vorlesen und Nachschreiben, mit großer Güte entgegenkommt: leider ist nächste Woche ihre Zeit zu Ende. Was die Augen betrifft, so ist mein Zustand jetzt von dem Dührings10 wenig verschieden; dieses plötzliche reißend schnelle Verschwinden des Augenlichtes vom vorigen Sommer an bis jetzt gehört zu den Dingen, wofür ich die Gründe nicht weiß. Die Jodsalbe, welche Schiess11 verordnete, war wirkungslos. — Ich habe fast jeden Tag 2-3 Stunden diktirt, aber meine "Philosophie," wenn ich das Recht habe, das, was mich bis in die Wurzeln meines Wesens hinein malträtirt, so zu nennen, ist nicht mehr mittheilbar, zum Mindesten nicht durch Druck. Mitunter sehne ich mich darnach, mit Dir und Jakob Burckhardt12 eine heimliche Conferenz zu haben, mehr um zu fragen, wie Ihr um diese Noth herumkommt als um Euch Neuigkeiten zu erzählen. Die Zeit ist im Übrigen grenzenlos oberflächlich; und ich schäme mich oft genug, so viel publice schon gesagt zu haben, was zu keiner Zeit, selbst zu viel werthvollern und tiefern Zeiten, vor das "publicum" gehört hätte. Man verdirbt sich eben den Geschmack und die Instinkte, inmitten der "Preß- und Frechheits-Freiheit" des Jahrhunderts; und ich halte mir das Bild Dante’s und Spinoza’s entgegen, welche sich besser auf das Loos der Einsamkeit verstanden haben. Freilich, ihre Denkweise war, gegen die meine gehalten, eine solche, welche die Einsamkeit ertragen ließ; und zuletzt gab es für alle die, welche irgendwie einen "Gott" zur Gesellschaft hatten, noch gar nicht das, was ich als "Einsamkeit" kenne. Mir besteht mein Leben jetzt in dem Wunsche, daß es mit allen Dingen anders stehn möge, als ich sie begreife; und daß mir Jemand meine "Wahrheiten" unglaubwürdig mache. — —

Von meiner Mutter erhielt ich die besorgte Meldung, daß Schmeitzner bisher nicht gezahlt hat:13 es wäre schrecklich, wenn der Prozeß weiter gehn, resp. die Subhastation usw. beantragt werden müßte. Der Juni war der festgesetzte Termin der Zahlung. Mein Onkel, der die ganze Sache übernommen hatte, liegt auf den Tod krank.14

Bitte, sende mir wieder 500 frs hier herauf.15 Deiner vortrefflichen Frau mich herzlich anempfehlend in alter Liebe

Dein
F. N.

1. Nietzsche had visited the Overbecks in Basel for a couple of weeks in June 1884.
2. Nietzsche had borrowed Overbeck's copy of a work by Gustav Teichmüller, probably Die wirkliche und die scheinbare Welt. Neue Grundlegung der Metaphysik. Breslau: Koebner, 1882.
3. Philipp Mainländer, Die Philosophie der Erlösung. Berlin: Grieben, 1876.
4. Albrecht Dürer, "Ritter, Tod und Teufel": an etching Nietzsche gave to his sister as a wedding present. She married the anti-Semite agitator Bernhard Förster. (Nietzsche bought a copy of "Knight, Death and Devil" as a Christmas present for Richard Wagner in 1870.)
5. Bernhard Förster's disasterous settlement, "Nueva Germania."
6. The first line of Nietzsche's poem "Prinz Vogelfrei."
7. Mrs. Emily Fynn and her daughter Emily.
8. Zina de Mansouroff (1830-1889).
9. Louise Röder-Wiederhold (1829-?), an acquaintance of Heinrich Köselitz. In 2011, five letters from Nietzsche to Röder-Wiederhold were discovered and donated, along with other material, to the Nietzsche-Haus in Sils-Maria. In a June 1885 letter to Resa von Schirhhofer, Nietzsche describes his relations with Röder-Wiederhold: "Einstweilen habe ich die treffliche Frau Röder-Wiederhold im Hause; sie erträgt und duldet 'engelhaft' meinen entsetzlichen 'Antidemocratismus' — denn ich diktire ihr täglich ein paar Stunden meine Gedanken über die lieben Europäer von heute und — Morgen; — aber zuletzt, fürchte ich, fährt sie mir doch noch 'aus der Haut' und fort von Sils-Maria, getauft wie sie ist, mit dem Blute von 1848." (In the meantime, I have the excellent Frau Röder-Wiederhold in the house, she endures and "angelically" tolerates my appalling "antidemocracy" — because for a few hours every day I dictate to her my thoughts on the dear Europeans of today and — tomorrow, — but recently, I fear, I have driven her yet again "up the wall" and away from Sils-Maria, baptized as she is with the blood of 1848. [An allusion to the German Revolution of 1848.]) In another letter to Heinrich Köselitz on July 23, 1885, Nietzsche relates how perturbed he was with her: "Frau Röder ist seit einem halben Monat fort, bene merita! Aber, unter uns, sie paßt mir nicht, ich wünsche keine Wiederholung. Alles, was ich ihr diktirt habe, ist ohne Werth; auch weinte sie öfter als mir lieb ist. Sie ist haltlos; die Frauen begreifen nicht, daß ein persönliches malheur kein Argument ist, am wenigsten aber die Grundlage zu einer philosophischen Gesamtbetrachtung aller Dinge abgeben kann. Das Schlimmste aber ist: sie hat keine Manieren, und schaukelt mit den Beinen. Trotzdem: sie hat mir über einen bösen Monat weggeholfen, mit der allerbesten Gesinnung." (Frau Röder has been gone for half a month, bene merita! But, between us, she does not suit me, I do not want an encore. Everything that I have dictated to her is worthless; she was also crying more often than I cared for. She is unstable; women do not understand that a personal malheur is not an argument, but least of all can it provide the basis for an overall philosophical assessment of things. But the worst thing is: she has no manners, and swings her legs. Nevertheless: she has helped me get over a bad month with the best attitude.)
10. The blind philosopher Eugen Dühring (1833-1921).
11. Nietzsche's opthamologist and colleague at Basel, Johann Heinrich Schieß-Gemuseus (1833-1914).
12. Jacob Burckhardt, Nietzsche's friend and colleague at Basel.
13. The proceeds from Nietzsche's lawsuit against his publisher Ernst Schmeitzner.
14. Bernhard Daechsel (1823-1888).
15. Overbeck sent Nietzsche his pension.

 



Heinrich Köselitz (Peter Gast).
1895.
Colorized image ©The Nietzsche Channel.

Nizza, 24. November 1885:
Letter to Heinrich Köselitz.

Lieber Freund,

endlich, nach langen Umschweifen, zur Vernunft zurückgekehrt (welche in diesem Falle Nizza heißt), bekomme ich auch schon eine Belohnung dafür, nämlich sehr ersehnte Nachrichten über Sie, einmal durch Sie selber, sodann durch Frau Röder.1 Es sind schlechte Nachrichten im Grunde; aber so, wie Sie sind, muß Ihnen das Schlechteste zum Vortheile gereichen — verzeihen Sie diesen Optimismus, der zum Mindesten aus der bona fides eines Freundes stammt. Sie haben "den Wind gegen sich": gesetzt daß Sie schwindsüchtig und übermäßig zärtlich angelegt wären, so müßte man für Sie die größte Angst haben (zum Beispiel ich selber hätte für mich selber in Ihrem Falle wenig Zutrauen). Aber mit Ihren "starken Lungen", Ihrer lebenslangen Übung im Alleinsein, Ihrer schweigsamen Tapferkeit werden Sie Herr über alle schlechten Winde werden, — und vielleicht sogar noch etwas "herrischer" und "selbstherrlicher" als bisher. Ein ganz alter Römer sagt von einem gleich Ihnen Kämpfenden:

"increscunt animi, virescit volnere virtus"2

(es schwillt der Muth, durch die Wunde erst tritt die Tapferkeit in Saft und Kraft). Man soll es Ihrer Musik schon einmal anhören, was Krieg und Sieg sind.

Dieser Tage erquickte es mich zu erfahren, daß diese Stadt, welche ich nicht mehr wechseln und eintauschen darf, in ihrem Namen etwas vom Siege hat. Und wenn Sie hören, wie der Platz heißt, wohinaus mein Fenster schaut (herrliche Bäume, in der Ferne röthliche große Gebäude, das Meer und die schön gewundene baie des anges), nämlich "square des Phocéens," so werden Sie vielleicht gleich mir über den ungeheuren Cosmopolitismus dieser Wort-Verbindung lachen — wirklich haben Phoceer einstmals hier sich angesiedelt — aber etwas Siegreiches und Über-Europäisches klingt heraus, etwas sehr Tröstliches, das mir sagt "hier bist du an deinem Platze."

Inzwischen nämlich prüfte ich München, Florenz, Genua, — aber es schickt sich für meinen alten Kopf nichts Anderes als dies Nizza, abgerechnet ein paar Monate Sils-Maria: obgleich der Sommer sogar hier erquicklicher sein soll als an irgend einem Binnen-Orte Deutschlands (die Abende frische Meerbrisen, die Nächte kühl). Die Luft ist unvergleichbar, die anregende Kraft (ebenso die Lichtfülle des Himmels) in Europa nicht zum zweiten Male vorhanden. Ich erwähne endlich, daß man hier billig, sehr billig leben kann, und daß der Ort umfänglich genug ist, um jeden Grad einsiedlerischer Verborgenheit zu gestatten. Die ganz ausgesuchten Dinge der Natur, wie die Waldwege am nächsten Berge, wie die Halbinsel St. Jean, hat unsereins für sich; ebenso ist die ganze herrlich-freie Promenade am stark brandenden Meere (c. dreiviertel Stunde lang —) nur für ein paar Stunden des Tags besucht. Vergeben Sie mir, daß ich mich öfter im Geiste mit Ihrem Loose beschäftige und dabei nicht selten zu dem Schlusse komme: Sie sollten es einmal mit diesem Nizza versuchen und Deutschland Deutschland sein lassen. Wir selber, als arbeitsame und solitäre Thiere, werden uns hübsch aus dem Wege gehn, aber hier und da ein kleines Fest des Zusammenseins veranstalten. Zuletzt bin ich einer der besten Liebhaber Ihrer Musik — es würde mir im letzten Theile meines Lebens etwas Nicht-zu-Ersetzendes fehlen, wenn Sie und Ihre Kunst mir gänzlich abhanden kämen. (Gefällt es Ihnen hier nicht, so ist jeden Sonnabend Abend ein Schiff bereit, Sie nach Ajaccio zu führen. Sie schlafen die Nacht durch und finden sich früh morgens im Hafen von A[jaccio)].) Von Genua bis Nizza fährt man präcise 5 Stunden (7 Uhr morgens ab, Ankunft um 12). Es ist nicht nur Neugierde, welche mich fragen macht, wie auf Sie gerade dies Clima wirken möchte; es ist ebenfalls nicht nur das Verlangen eines Freundes. Man ist hier so "außerdeutsch" — ich kann es nicht stark genug ausdrücken.

Behalten Sie lieb Ihren Freund N.

Adresse: Nice (France), poste restante.

1. See footnote 9 above.
2. "The spirits increase, vigor grows through a wound." Aulus Gellius, Noctes Atticae, XVIII, XI, IV. Cf. Götzen-Dämmerung, Vorwort.

 



Heinrich Köselitz (Peter Gast).
Ca. 1890.
From b/w photo by Fritz Schumann.
Colorized and enhanced image ©The Nietzsche Channel.

Nice, 6. Dezember 1885:
Letter to Heinrich Köselitz.

Lieber Freund,

eben kommt Ihr guter Brief mir zu Händen: ich weiß nichts Besseres zu thun, als sofort darauf zu "antworten" — so groß ist meine Freude über Ihre Geduld und Ihr Ausharren in Wien.1 Gesetzt, daß Alles zuletzt umsonst war, und der Norden vorläufig noch nichts von Ihrem "Süden" wissen und hören will: so haben Sie nicht nur eine Schuldigkeit abgethan — es scheint mir, Sie haben selbst dann mehr erreicht. Sie dürfen sich für eine gute Zeit wieder die ganze Frage von "Angebot und Nachfrage" aus dem Kopfe schlagen, und, mit gutem Gewissen, wieder in jenen himmlischen Abgrund der Einsamkeit des Schaffenden stürzen, in dem Sie gelebt haben, — in dem wir leben müssen, in dem, zuletzt, wir allein leben können! Ich habe es, mit meinen zwei Monaten in Deutschland, gerade so weit gebracht als ich es Ihnen hiermit wünschen möchte: es kam mir zur vollen Klarheit, daß ich dort gegenwärtig noch nichts zu suchen habe, und daß andre Aufgaben und "Aufgeber" dort am Platze sind. Diese Klarheit hat mich nicht getrübt Sie dürfen mir’s glauben —, umgekehrt, noch niemals bin ich in einer solchen halkyonischen Meeresstille und Unbekümmertheit in meinem Süden angelangt, so daß selbst die Leibes-Gesundheit sich verbessert zu haben scheint, trotz der greulichen Strapatzen, welche ich mir seit Sils-Maria zugemuthet habe.

Schmeitzner hat gezahlt; für eine zweite Auflage von Menschl[iches], Allzum[enschliches], welche ich mit viel Fleiß in diesem Sommer vorbereitet hatte, war ein ausgezeichneter Verleger2 gefunden: — schließlich bekam ich einen Brief Sch[meitzner]s, der mir ein für alle Mal den Glauben an die "zweiten Auflagen" genommen hat (er verlangte, seinerseits, als Entschädigung für den Rest der ersten Auflage 2500 Mark), zugleich mit so unschicklichen Vorschlägen über die Mittel, meine Litteratur verkäuflich und um mich herum Lärm zu machen, daß ich seitdem verstummt bin und stumm bleiben will. Leider verwies er mich, hinsichtlich der angedeuteten Lärmtrommel-Mittel, auf Hrn. Widemann, der mir noch Näheres mittheilen werde: Grund genug für mich um Hrn. W[idemann] nicht zu sehn und als nicht vorhanden zu betrachten. Es ist ein Malheur, daß er diesem Sch[meitzner] so nahe steht: er ist mehreremal vermittelnd in der Prozeßsache Sch[meitzner]'s aufgetreten (sein Vater3 war Sch[meitzner]'s Advokat) Zuletzt ist mir noch niemals eine solche Verunglimpfung zu Theil geworden als durch seine Zusammenstellung der Namen "Dühring" und "Zarathustra": — an diesem Zeichen habe ich genug.4 Die Antisemiterei vernichtet allen feineren Geschmack, auch bei Zungen, die von Anfang an nicht belegt sind. — Daß jene zweite Auflage nicht möglich ist, thut mir wohl; ich habe bereits herausgerechnet, daß sie nicht nöthig ist, — daß vielmehr eine tiefe Stille über mich, eine Art Begrabensein (meine Schriften sind buchstäblich bei Sch[meitzner] begraben und unausgrabbar) zu den Bedingungen gehört, unter denen allein noch Etwas in mir wachsen kann. — Ich guckte eben links: blaues Meer, eine Bergkette darüber und, in der Nähe, mächtige Eucalyptus-Bäume. Der Himmel leuchtet.

Erwägen Sie recht den schönen Begriff Nizza (der Name ist griechisch und spielt auf einen Sieg an) — es ist "Cosmopolis," wenn es eins in Europa giebt! Man ist dem feinen französischen Geiste näher (ein neuer Band psychologie contemporaine von Paul Bourget5 liegt neben mir) und doch wieder nicht zu nahe: meine Straße, mit dem großen italiänischen Theater, ist eine Musterstraße nach italiänischem Schema, — und die Menschen darin ächte rechte Rivieresen. Bei hellstem Himmel sieht man Corsica, sogar von meinem Fenster aus. Die Capelle in Monte Carlo wird jetzt von einem Deutschen dirigirt. Den 23. Januar singt die Lucca6 hier Carmen.7 — Trattorien, wo Sie so gut wie in der Panada, (oder vielmehr besser und billiger) essen (vortrefflicher Landwein!) giebt es gleichfalls. Wollen Sie ein Paar Stunden geben, so fehlt es nicht an Auswahl unter vornehmen Russinnen und Polinnen (diese Art herrscht hier).

Ihnen herzlich zugethan und voller Wünsche und Hoffnungen

F. N.

Was ich darum gäbe, Ihr Septett zu hören! Was ich neidisch auf die Wiener bin! — Läßt es sich mit Carlsruhe machen, so komme ich hin. Frau Röder8 schrieb sehr artig von dort. (Soll ich an Mottl9 schreiben? —)

1. Köselitz was in Vienna trying to promote his music.
2. Hermann Credner (1842-1924): German publisher in Leipzig.
3. Heinrich Adolf Widemann: lawyer for Ernst Schmeitzner, and father of Paul Heinrich Widemann.
4. Nietzsche's former student, Paul Heinrich Widemann was the author of Erkennen und Sein. Karlsruhe; Leipzig: Reuther, 1885. Nietzsche was annoyed with Widemann's conflation of the ideas of Eugen Dühring with his Zarathustra. See Erkennen und Sein: 239.
5. Paul Bourget (1852-1935): French writer. See his entry in Nietzsche's Library. The book referred to is Nouveaux essais de psychologie contemporaine. M. Dumas fils — M. Lecomte de Lisle — M. M. de Goncourt — Tourguéniev — Amiel. Paris: A. Lemerre, 1886. Nietzsche's copy.
6. Pauline Lucca (1841-1908): Austrian opera singer.
7. See "Nietzsche's Marginal Glosses to Georges Bizet's Carmen." In: Friedrich Nietzsche in Words and Pictures. Appendix 2. Chronology of Nietzsche's Music: 121-145.
8. See footnote 9 above.
9. Felix Mottl (1856-1911): Austrian conductor and composer, who was working in Karlsruhe at the time.

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